Schlagwort-Archive: Kindermund

Definiere „Unendlich“

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Definiere „Unendlich“

Kind Nr.1: „Mama, wenn die Sonne erlischt, können die Menschen nicht mehr leben. Aber das wird erst in ganz vielen Milliarden Jahren sein.“

Ich: „Ein Glück, da möchte ich nicht gern dabei sein.“

Kind Nr.1, sichtlich erstaunt: „Warum? Vielleicht geht dann wieder alles von vorne los?“

Ich: „Wie von vorne?“

Kind Nr.1: „Vielleicht entsteht dann eine neue Sonne. Und dann entsteht hier wieder Leben. Und auch die Dinos. Und irgendwann auch wieder wir, genau wie jetzt.“

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Gehört werden… oder so ähnlich

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„Tim, ich möchte Dir einmal etwas erzählen.“ Will ich etwas Wichtiges loswerden, beginne ich gerne so. Mein Sohn blickt aufmerksam zu mir und nickt wie zur Ermutigung, endlich loszuschießen. „Also“, hole ich tief Luft, „wenn ich dich abends ins Bett bringe, dann lege ich mich zwar erst zu dir, aber dann stehe ich noch einmal auf.“ Zugegeben, der Einstieg ist etwas holprig. Tim quittiert dies umgehend mit merklich abnehmendem Interesse, was auf meiner Seite wiederum zu noch mehr verbalen Verkomplizierungen führt. Ich lasse mich aber nicht beirren und rede weiter. Tim hat sich mittlerweile eine Tesarolle geschnappt und zieht konzentriert einen immer länger werdenden Klebestreifen ab, in welchem er sich anschließend verheddert. Als ich an der Stelle ankomme, an der große Leute eben weniger Schlaf brauchen als kleine, hat Tim sich wieder befreit und hält sich die Klebeschlange zwischen die Beine. Da ich jetzt auch schon am Ende meiner Ausführungen bin, schließe ich erwartungsfroh mit: „Hast du verstanden, was ich erzählt habe?“ Tim grinst mich verständnisvoll an – innerlich feiere ich schon den geglückten Erziehungsversuch und bin sehr stolz auf die Einsichtsfähigkeit meines Kindes – und sagt: „Guck mal, Mama, ein Klebepullermann!“.

Rauchen, Licht und offenes Feuer verboten

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Tim liegt flach auf dem Boden vor unserem Sofa und säuselt in seinem schönsten Überredungstonfall in die Dunkelheit darunter: „Komm her, Kerte!“ Dort befindet sich seit Monaten in aller Abgeschiedenheit eine kugelrunde, rote Kerze. Sie teilt dieses stille Fleckchen übrigens mit einer Handvoll Nupsis – Halterungsstifte eines Ikea-Regals – einem hübsch blinkenden Router und zirka zweitausend Wollmäusen. Nicht, dass ich mir diesen Ort für sie ausgesucht hätte, aber mittlerweile liegen sie alle schon so lange dort, dass es ihr rechtmäßig angestammter Platz geworden ist. Da Tim anderer Ansicht ist, beginnt er nun, die Kerze repetitiv zu motivieren: „Komm her, Kerte, komm her. Komm her, Kerte, komm her.“ Als diese sich trotz seiner wiederholten Bemühungen nicht bewegt, beginnt seine Stimme verdächtig zu zittern. „Mama, helpen!“ fordert er mich schließlich missmutig auf. „Aber Tim, wenn die Kerze nicht kommt, dann möchte sie anscheinend unter dem Sofa bleiben“, höre ich mich sagen. Während ich mir noch gedanklich eine pädagogische Sechs erteile, hat Tim am anderen Ende des Wohnzimmers seinen alten Lolli-Stiel entdeckt. Er schnappt sich selbigen, steckt ihn in den Mund und zieht zischend Luft ein. „Mama, Tidadette!“, erklärt er stolz. Jetzt bin ich ernsthaft schockiert. Da weder Tims Papa noch ich rauchen, hatte ich mit suchtpräventiven Maßnahmen nicht vor der Pupertät gerechnet. Ich versuche also, mein Entsetzen zu überspielen, und erkläre möglichst gleichmütig „Ach nö, Tim, lass‘ das mal mit dem Rauchen. Willst du den Stiel nicht lieber in den Müll werfen?“ Da Tim derzeit gerne aufräumt und Dinge in den Müll wirft, verspreche ich mir viel von meinem Vorschlag. Tatsächlich erhebt sich mein Sohn und steuert auf den Papierkorb zu, als sein Blick auf das Sofa fällt. Mit einem triumphierenden Blick legt er sich wieder flach davor, hält den Lolli-Stiel in Richtung Kerze und ruft: „Komm her Kerte, Feuer mache!“

In Anlehnung an eigene Jugenderfahrungen habe ich die Kerze nun unter dem Sofa herausgeholt und sie in Tims Beisein gemeinsam mit dem Lolli-Stiel die Toilette herunter gespült.

Arme Hete

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Seit Tim gerne Kinderlieder-CDs hört, wohnt die arme Hete bei uns. Ganz unbemerkt ist sie eingezogen und rausschmeißen lässt sie sich nun auch nicht mehr. Warum? Es geht ihr nicht gut, der armen Hete. Aber von vorne.

Bei unserer ersten Begegnung sitzen Tim und ich gemeinsam auf dem Sofa und lauschen dem schönen Text von „Häschen in der Grube“. Plötzlich, wir sind gerade bei der ergreifenden Stelle „…armes Häschen, bist Du krank…“ angekommen, schaut mich mein Sohn sehr sorgenvoll an und erklärt mit einem nachdrücklichen Kopfnicken: „Mama, arme Hete nant!!!“ Nant bedeutet in Tims Wortschatz sowohl nackt als auch krank. Da ich nicht davon ausgehe, dass die arme Hete unbedingt auch nudistisch veranlagt ist, vermute ich, dass sie gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe ist. Was genau ihr fehlt, ließ sich bislang allerdings nicht klären. Sowohl Bauch- oder Kopfweh wie auch eine unglückliche Partnerwahl wären meiner Meinung nach denkbar.

Seit ihrem Einstand begleitet uns die arme Hete jedenfalls hartnäckig. Ob in der Zoohandlung bei den Kaninchen, beim Treppen-Hüpfen oder Vorlesen, ständig taucht sie auf, die arme Hete mit ihrem desolaten Gesundheitszustand, und erntet Tims zutiefst empfundenes Mitleid. Vielleicht könnte ich da einmal mit dem Papst drüber sprechen, von einer „Armen-Hete-Lobby“ habe ich nämlich noch nie etwas gehört, dabei wäre sie in unserem Fall ganz dringend notwendig. Ich denke da an Auffangheime für arme, heimatlose Heten, vielleicht auch an Anonyme Arme-Heten-Treffen oder individuelle Einzelfallhilfe, wenn es gar nicht besser werden will. In unserem Fall werden wir wohl Nächstenliebe walten lassen und die Hete so lange pflegen, bis es ihr wieder besser geht.