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Himmlischer Spuckemix

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Kind Nr. 1 bekommt neuerdings Spucke-Allüren. Ich darf nicht aus demselben Glas trinken, nichts von meinem auf seinen Teller legen und biete ich ihm einen von mir angebissenen Apfel an, wird das mit angewidertem Blick und einem „Bäh Mama, da sind doch Deine ganzen Bakterien dran“ quittiert. 

Umso erstaunter war ich, als er gestern ohne mit der Wimper zu zucken einträchtig mit seiner kleinen Schwester (die eindeutig mehr sabbert als ich!) seine Trinkflasche teilte.

Darauf angesprochen erklärte er mir die Begebenheit wie folgt: „Ach Mama. Kind Nr. 2 und ich kennen uns schon so lange, bei uns ist doch eh immer alles gleich. Wir waren zusammen im Himmel, in derselben Himmelskita und derselben Himmelsschule. Und dann habe ich als erster Deinen Bauch von innen gesehen und nun sie. Wir sind also genau gleich, da können wir auch aus meiner Flasche trinken.“

Pfffff… Als ob ich diese himmlischen Einrichtungen nicht schon Jahre vor dem Grünschnabel durchlaufen hätte. Aber bis er darauf kommt, lecke ich meine Süßigkeiten alle an.

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Eier mal anders

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Kind Nr.1: „Mama, warum bemalt man eigentlich Eier zu Ostern?“

Ich: „Hm, Ostern feiert man ja die Auferstehung von Jesus. Und das Ei ist ein Symbol für neues Leben. Das will man dann an Ostern wohl einfach noch etwas hübscher machen.“

Kind Nr. 1: „Hm, dann könnte man dafür doch auch Gebärmütter nehmen, oder?“

Der Mann blickt verwirrt. Ich pruste los, vor meinem inneren Auge tanzen Hyazinthensträusse mit lauter kleinen Gebärmüttern behängt.

Kind Nr.1 fühlt sich nicht ernst genommen. Unwirsch: „Natürlich aus Plastik, Mama. Mit kleinen Babys drin.“

Ich, bemüht: „Ja Schatz. Das könnte man theoretisch.“

Kind Nr.1: „Mama, dann machen wir das nächstes Jahr so.“

Nächstes Jahr ist er ein Jahr älter, vielleicht kommen wir dann irgendwie um die Sache herum…

Oh…Entsch…Na, dann setze ich mich mal

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Oh…Entsch…Na, dann setze ich mich mal

Auf dem Weg nach Hause in eine Kirche geguckt. Wohne schon lange daneben, wollte das längst tun. Lande mitten in der abendlichen Kurzandacht. Lerne, dass es abendliche Kurzandachten gibt. 

Eine Dame auf Krücken liest aus der Bibel. Ein älterer Herr sitzt in der vierten Reihe und hört ihr zu. Und jetzt bin ich auch da. Drücke mich in die letzte Reihe. Gehen ist keine Option. 

Sie sagt: „Jetzt möchte ich mit Ihnen singen.“ Der Stapel Gesangbücher hinter mir verbietet mir zu schweigen. Also singen wir. Sie, er und ich. Ohne Orgel, zu dritt in der Kirche. Dann beten wir stehend das Vater Unser und sie spricht einen Segen. Dann ist es vorbei. Er geht an mir vorbei, grüßt leise, sie sitzt noch vorne. Ich bedanke mich noch und stehe schon wieder im Park. 

Ich wurde von Spiritualität überfallen.

Sammelsache und Riesen-Rache

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Kind Nr.1 hat eine ausgeprägte Sammelleidenschaft. Wenn nicht, wie Ostern letztes Jahr passiert, ausgerechnet ein hartgekochtes Ei über Wochen in seiner Jackentasche lagert, stört es mich mittlerweile kaum noch. Der Mann allerdings hat irgendwie ein Thema am Laufen…

Der Mann zu Kind Nr.1: „Stell Dir vor, Du bist mit der Kita unterwegs. Du hast schon viel gesammelt, und dann liegen da noch eine alte Schraube und ein schöner Stein. In Deine Hand passt nur noch eine Sache. Welche würdest Du mitnehmen?“

Kind Nr.1 (unbekümmert): „Ach, ich würde etwas von einer in die andere Hand tun und dann beides mitnehmen, dann passt ja wieder  viel in meine Hand.“

Der Mann (lacht): „Nein, nein, das geht nicht. Du hast insgesamt nur noch Platz für eine Sache in Deinen Händen.“ 

Kind Nr.1 (verwundert): „Aber Papa, ich habe doch extra eine Sammeltasche in meiner Jacke, da kann ich ALLES rein tun, was ich finde.“ (Ja, stimmt…)

Der Mann (holt leise Luft): „Die ist auch schon voll, Du hast definitiv nur noch Platz für EINE Sache!“

Kind Nr.1 (in dem Ton, den er wohl aus unseren ernsthaften erzieherischen Interventionen kennt): „Papa. Ich habe doch schon auf Deine erste Frage geantwortet, und das gilt.“

Der Mann (stockt kurz): „Ja. Aber stell Dir mal vor, Du müsstest Dich entscheiden. Was nimmst Du, die rostige Schraube oder den schöööönen Stein?“ 

Kind Nr.1 (leicht genervt): „Nein Papa. So machen wir es nicht, das mit dem Entscheiden lassen wir. Ich bohre einfach die Schraube in den Stein, dann nimmt sie keinen Platz weg.“

Der Mann (Sieht er tatsächlich ein bisschen böse aus?): „Nein!!! K. (Erzieherin) ist mit Euch unterwegs und sie VERBIETET Dir, beides mitzunehmen!“

Kind Nr.1 (jetzt empört): „Papa! K. geht NIE mit uns auf den Spielplatz, sie ist doch bei den Eichhörnchen (andere Kitagruppe)!“

Der Mann ist mittlerweile zwischen belustigter und echter Verzweiflung und blickt etwas sehnsüchtig gen Tischkante.

Und das ist er, der Augenblick, in dem ich deutlich spüre: Endlich, nach drei Jahren des Darbens bietet sich hier nun meine Chance, mich für die Geschichte mit dem Riesen zu revanchieren. Und ich hole aus zum vernichtenden Schlag…

Ich: „Okay, dann stell Dir mal vor, Du hast in Deiner Tasche eine rostige Schraube und einen schönen Stein. Und jetzt musst Du sie in der Reihenfolge hinlegen, in der Du sie am liebsten magst.“

Kind Nr.1: „Ach so! Na, zuerst lege ich den Stein hin, dann ein Schneckenhaus, das auch noch da ist, und dann die rostige Schraube!“

Der Mann starrt mich an. Nicht freundlich. Ich grinse. 

Den. Ganzen. Restlichen. Tag.

Sind wir nicht alle ein bisschen…Überraschungspaket?

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Nach der Geburt von Kind Nr.2 beschäftigte uns neben all den Sorgen immer wieder die Frage, wie wir Kind Nr.1 etwas erklären können, von dem wir nicht wissen, was es ist?  Und ob das überhaupt notwendig wäre? 

Während der ersten Monate hatte ich große Angst davor, dass der Große traurig sein könnte, wenn seine Schwester nicht so ist wie andere Babies. Doch umso länger ich meine Kinder beobachtete und sehen konnte, wie sie als Geschwister zusammenwuchsen, desto klarer wurde mir, dass Kinder keine Erwartungen an ein Menschenleben haben. Es sind wir Erwachsenen, die hadern. Im Gegenteil,  Kind Nr.1 zeigte mir etwas so Wichtiges: Ganz selbstverständlich nahm er unser Baby so wie es war. Und freute sich unendlich.

Seit der Geburt hatte ich schon viel mit ihm darüber gesprochen, dass nicht alle Menschen sich gleich entwickeln. Dass nicht jeder Dinge wie Sprechen oder Laufen lernt oder eben einen ganz eigenen Weg einschlägt. Für Kind Nr. 1 alles kein großes Thema.  

Nach einigen Monaten wuchs ein blödes Gefühl in mir. Immerhin begleiteten uns die Sorgen um das Baby ständig und ich war sicher, dass auch Kind Nr.1 diese spürte. Es kam mir so vor, als ob sich in unseren Alltag eine Heimlichkeit geschlichen hatte, die allein durch das Ungreifbare bedrohlich war. Sie stand im Weg herum, spürbar und trotzdem unbesprochen.

Also beschlossen wir, mit ihm über unsere Geschichte zu sprechen. Nicht über all die gruseligen Ängste, aber doch über die Fakten. Leider haperte es genau an diesen, gab es schlicht wenig, das wir ihm hätten sagen können, ohne Diagnose, ohne Prognose. Auch hier hatte ich wieder die Sorge, ob Kind Nr.1 damit umgehen könnte. Und wieder belehrte mich der damals Vierjährige eines Besseren.

In einer ruhigen Minute erzählte ich ihm von den Untersuchungen in der Schwangerschaft, und dass die Ärzte herausgefunden hatten, dass im Kopf von Kind Nr.2 einige Dinge anders gewachsen sind, als bei vielen anderen. Und dass wir deswegen nun eine Art „Überraschungspaket“ bekommen hätten, das sich vielleicht von anderen Babies etwas unterscheidet. Und dass wir darum oft bei Ärzten seien, die genau wissen wollten, was seine Babyschwester denn nun alles so könnte. 

Kind Nr.1 nahm die Botschaft gelassen, stellte einige Fragen darüber, wie die Ärzte das denn sehen könnten, zählte dann stolz auf, was Babyschwester schon alles kann und schloss mit stolzem Blick: „Mama, ich bin aber auch ein Überraschungspaket.“ 

Wie Recht er hat. Und wieviel man von diesen kleinen Menschen lernen kann.

Warum der Teufel seine Großmutter…

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„Ich bin nicht dran schuld. Ich hab das eine Glas umgekippt und DAS hat dann das andere umgestoßen. Da kann ich ja wohl nichts für.“

Respekt für Kind Nr.1. Da das Glas bockig war und den von ihm verschuldeten Fleck nicht wegwischen wollte, habe ich mich dann breit schlagen lassen…

Mehr Zen

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Diese Warterei kostet mich Nerven! Mit inneren Engelszungen flüstere ich auf mich ein: „Bleib im Hier und Jetzt! Es kommt, wie es kommen soll! Es lässt sich nichts erzwingen!“ Blablabla. Und ich lenke mich ab und mache weiter und weiter und weiter. 

Und dann ballen sich diese Tage, diese endlosen Tage, an denen ich am liebsten laut schreien möchte: „Warum krabbelt sie noch nicht? Warum brabbelt sie nicht so wie alle anderen? Warum geht und geht es nicht weiter???“ Und dann ärgere ich mich über mich, meine Ungeduld und meine Undankbarkeit und fange wieder an zu flüstern: „Sieh sie doch an,  dieses wundervolle Geschöpf! Mit ihrem strahlenden, dreizahnigen Lachen und den Augen, aus denen Dir der Schalk entgegenspringt. Dieses verschmuste, verständige Wesen, das Dir so bedingungslos viel Liebe schenkt.“

Und dann geht es auf einmal weiter. Und sie lernt Neues und die Welt dreht sich wieder und alles ist leicht. Lieber Gott, ich brauche dringend mehr Zen.

Urzeit-Phantome

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Ich habe jetzt zum zweiten Mal versucht, mit dem großen Kind Urzeitkrebse zu züchten. Naja, die Eier zum Schlüpfen zu bringen halt. Wie auch immer. Nach einigen Tagen schwammen in dem kleinen Becher auch immer ein bis zwanzig kleine, weiße, zappelnde  Pünktchen. Allerdings habe nur ich sie gesehen, der Rest der Familie stand nur achselzuckend herum. Trotz Zurhilfenahme einer Lupe. Nun gut. 

Und dann, kurz vor der Umsiedlung ins große Becken? Alle tot. Alle weg. Kein weißes Zappeln mehr. Rätselhaft. Wie haben es die Viehcher in der Urzeit geschafft? Da waren die Bedingungen doch bestimmt auch kein Zuckerlecken?? 

Und obwohl wir uns genau an die Anleitung gehalten haben,  fühle ich mich jetzt wie eine gemeine Tierquälerin. Als einzige in der Familie. Die anderen haben sie ja nicht gesehen. Hartes Pflaster, diese Urzeit.