Archiv der Kategorie: Schwangerschaft

Mit offenem Visier

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Eigentlich mag ich keine Handlungsempfehlungen. Keine vermeintlich klugen Ratschläge, kein „Du solltest…“ oder „Ich an Deiner Stelle…“, zumindest nicht, wenn es um den Umgang mit Gefühlen geht. Es sei denn, es wird ausdrücklich eingefordert. 

So, und trotzdem will ich in diesem Beitrag eine Lanze brechen, Erfahrungen teilen….öh, einen Tipp geben?!? Naja, manchmal muss man seine Dos & Don’ts wohl etwas flexibler auslegen. Räusper.

Aber zur Sache. Als wir in der Schwangerschaft erfahren haben, dass bei Kind Nr.2 Auffälligkeiten vorliegen, ist erst einmal eine Welt zusammen gebrochen. Zunächst haben wir nur untereinander darüber gesprochen und als wir uns bereit fühlten, den Kreis auf die Familie und enge Freunde erweitert.

Groß war die Angst vor doofen Reaktionen, peinlichen Situationen und schmerzhaften Begegnungen. Doch im Laufe der Monate haben wir die Tür immer weiter geöffnet, Nachbarn davon erzählt, Menschen konfrontiert, die einfach mal nach dem Befinden des Kugelbauchs gefragt haben. Und irgendwann beschlossen, auch den Blog auf diese private Ebene zu erweitern.

Und hier nun das wunderbare Fazit und mein Appell: Ich kann mir gar nicht vorstellen, wo wir heute ohne all die großartigen Reaktionen und Menschen wären! Es gab viele, die spontan eigene Erfahrungen zu dem Thema berichteten, die bestärkende und verständnisvolle Worte übrig hatten, die uns Wege eröffneten oder sogar froh waren, dass endlich einmal jemand über „sowas“ berichtet. Und vor allem erhielten wir die Chance, durch viele Gespräche das Erlebte besser zu verarbeiten und in unserem neuen Sein anzukommen. 

Ganz besonders geholfen hat mir dabei die Reaktion einer tollen Frau, mit der ich vor viiielen Jahren die Schulbank drückte. Sie bat mich einfach darum, glücklich zu sein, wenn meine Kinder es sind, und dieMomente  mit Ihnen zu genießen, denn das Morgen kennt keiner. Danke dafür.

Und darum: Ja, es ist nicht Jedermannfraus Sache, über Intimes offen zu sprechen, es soll sogar Menschen geben, denen das gar nichts bringt. Wer aber aus Sorge vor blöden Reaktionen lieber nichts sagt und mit seinem Kummer alleine bleibt – bitte bitte, probiert es aus! Vielleicht erst ganz vorsichtig im kleinen Rahmen – ich glaube fest daran, dass Euer Gegenüber Euch überraschen wird!!!

Oder wie eine meiner liebsten Freundinnen zu sagen pflegt: „Visier runter, Leute!“

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Sind wir nicht alle ein bisschen…Überraschungspaket?

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Nach der Geburt von Kind Nr.2 beschäftigte uns neben all den Sorgen immer wieder die Frage, wie wir Kind Nr.1 etwas erklären können, von dem wir nicht wissen, was es ist?  Und ob das überhaupt notwendig wäre? 

Während der ersten Monate hatte ich große Angst davor, dass der Große traurig sein könnte, wenn seine Schwester nicht so ist wie andere Babies. Doch umso länger ich meine Kinder beobachtete und sehen konnte, wie sie als Geschwister zusammenwuchsen, desto klarer wurde mir, dass Kinder keine Erwartungen an ein Menschenleben haben. Es sind wir Erwachsenen, die hadern. Im Gegenteil,  Kind Nr.1 zeigte mir etwas so Wichtiges: Ganz selbstverständlich nahm er unser Baby so wie es war. Und freute sich unendlich.

Seit der Geburt hatte ich schon viel mit ihm darüber gesprochen, dass nicht alle Menschen sich gleich entwickeln. Dass nicht jeder Dinge wie Sprechen oder Laufen lernt oder eben einen ganz eigenen Weg einschlägt. Für Kind Nr. 1 alles kein großes Thema.  

Nach einigen Monaten wuchs ein blödes Gefühl in mir. Immerhin begleiteten uns die Sorgen um das Baby ständig und ich war sicher, dass auch Kind Nr.1 diese spürte. Es kam mir so vor, als ob sich in unseren Alltag eine Heimlichkeit geschlichen hatte, die allein durch das Ungreifbare bedrohlich war. Sie stand im Weg herum, spürbar und trotzdem unbesprochen.

Also beschlossen wir, mit ihm über unsere Geschichte zu sprechen. Nicht über all die gruseligen Ängste, aber doch über die Fakten. Leider haperte es genau an diesen, gab es schlicht wenig, das wir ihm hätten sagen können, ohne Diagnose, ohne Prognose. Auch hier hatte ich wieder die Sorge, ob Kind Nr.1 damit umgehen könnte. Und wieder belehrte mich der damals Vierjährige eines Besseren.

In einer ruhigen Minute erzählte ich ihm von den Untersuchungen in der Schwangerschaft, und dass die Ärzte herausgefunden hatten, dass im Kopf von Kind Nr.2 einige Dinge anders gewachsen sind, als bei vielen anderen. Und dass wir deswegen nun eine Art „Überraschungspaket“ bekommen hätten, das sich vielleicht von anderen Babies etwas unterscheidet. Und dass wir darum oft bei Ärzten seien, die genau wissen wollten, was seine Babyschwester denn nun alles so könnte. 

Kind Nr.1 nahm die Botschaft gelassen, stellte einige Fragen darüber, wie die Ärzte das denn sehen könnten, zählte dann stolz auf, was Babyschwester schon alles kann und schloss mit stolzem Blick: „Mama, ich bin aber auch ein Überraschungspaket.“ 

Wie Recht er hat. Und wieviel man von diesen kleinen Menschen lernen kann.

Wenn der Hahn mit der Henne…

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Im Laufe der Schwangerschaft mit Kind Nr.2 hat sich der Große natürlich brennend für die Entstehung des Babys interessiert. Getreu dem Glaubenssatz „Er wird nur fragen, was er auch vertragen kann“, beantworteten wir geduldig alle Fragen zu Gebärmutter und Eierstöcken, Zellteilung und Gummibärchen, kauften Bücher von lyrisch bis wissenschaftlich, nahmen ihn mit zum Ultraschall und zeigten ihm auch den ein oder anderen Film im Internet. Auch Eizellen und Samenzellen, deren normaler Aufenthaltsort, Wettrennen durch den Eileiter und Befruchtung ließ Junior nicht aus. Lediglich die eine Frage, wie denn nun die Samenzelle in die Frau kommt, stellte er konsequent nicht.
Nun gut, dachte ich mir, das kommt wohl dann, wenn er soweit ist.

Etwa vor zwei Wochen kam es dann so: Familienfrühstück im Urlaub. Es gibt gekochte Eier. Und es ist vor acht Uhr morgens.

„Mama, essen wir jetzt eigentlich immer die Hühnerküken?“

„Nein, diese Eier hier sind entweder gar nicht befruchtet und auch nicht bebrütet. Daraus wäre kein Küken geworden.“

„Was?“

„Äh…“ Es folgt ein kleiner Ausflug zum Thema Schwangerschaft, Befruchtung, weißt Du nicht mehr…. Schweigen auf Seiten des Sohnemanns, anerkennender Blick des Mannes.

„Aber Mama! Wie kommt denn der Samen vom Hahn durch die Federn?“

Der Mann schnappt das Baby und murmelt etwas von Windel. Ich sehe, wie er sich beim Weggehen einen grinst. 

Ich atme tief durch. Da ist sie also, die Aufklärung meines ersten Kindes. Nicht mit Bienen und Blumen, nicht per Bravo. Nein, es dreht sich alles um Hahnenpenis und Hühnerscheide. Vor acht.

Leinen los – Feindiagnostik 3

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Erster Teil

Zweiter Teil

Beim dritten Termin schien zunächst alles super zu laufen. Die Gyrierung war weiter fortgeschritten, unserer Ärztin zwar noch etwas zu zaghaft, aber gut, das kannten wir mittlerweile schon. Einen weiteren Kontrolltermin wollten wir nicht mehr, die Ärztin ging davon aus, dass das Kind nach der Geburt lebensfähig sein würde und mehr wollten wir erst einmal nicht wissen. Fast schon beschwingt verließen wir die Praxis. Unser Kind machte die Dinge einfach in seinem Tempo, so unser Mantra, darf es ja auch. Das war ein Mittwoch.

Am Samstag klingelte das Telefon. Mittags. Mein Freund machte gerade Essen in der Küche für den Großen. Es war die Ärztin. Sie sei nun noch einmal in die Praxis gefahren, die Bilder des Gehirns unseres Babys hätten ihr keine Ruhe gelassen. (Dafür uns zum ersten Mal ein wenig.) Und nun sei sie doch sicher, im Bereich der Insula sei die Gyrierung nicht nur zaghaft sondern verändert. Pathologisch. Es bestehe kein Zweifel. Sie würde uns zum MRT raten.

Bäng. Nicht mehr und nicht weniger. Nur das. Ich brach mal wieder innerlich zusammen und Kind Nr. 1 malte voller Vorfreude ein Bild. Mama rechts, daneben Kind Nr.1 mit seinem Geschwisterchen an der Hand, Papa links. Ich hängte es neben unser Bett.

Am Montag riefen wir nochmals in der Praxis an und baten um einen Gesprächstermin. Wir hatten viele Fragen dabei. Wohin sollten wir uns nach der Geburt wenden? Wie wahrscheinlich wäre eine Epilepsie? Müssten wir mit Komplikationen im Krankenhaus oder bei der Geburt rechnen? Wäre eine Entbindung im Geburtshaus, wie bis dahin geplant, zu verantworten? Kaum eine Frage konnte abschließend beantwortet werden. Der veränderte Bereich im Gehirn unseres Babys wäre möglicherweise repräsentativ für weitere Arreale, die so per Ultraschall nicht zu sehen seien. Wir sollten einfach davon ausgehen, dass es irgendwann im Laufe der Entwicklung zu Verzögerungen kommen würde. Laufen? Sprechen? Wann, wo, wie gravierend, könne niemand sagen. Auch ein MRT könnte kaum genaue Auskunft geben – höchstens darüber, ob große Teile des Gehirns betroffen seien. Aber wofür wir das wissen müssten? Damit es eine Diagnose gäbe. Aha. Wir verzichteten.

Nach diesem Termin brauchten wir ein paar Tage, um wieder in den Alltag zu finden. Mein Freund nahm sich frei, weil ich Angst hatte, alleine zu Hause verrückt zu werden. Dann ging es weiter, dank Kind Nr.1. Ich traf ein paar Entscheidungen. Wir suchten eine Beleghebamme für das hiesige Krankenhaus mit Kinderintensiv. Wir vereinbarten einen Termin im SPZ (Sozialpädiatrisches Zentrum) für nach der Geburt. Wir trafen uns mit der Oberärztin der Neonatologie des Krankenhauses. Alles, was meine Energien bis dahin gebunden hatte, känzelte ich, ich wollte keine Verpflichtungen und nur noch Ruhe für mich und mein Baby. Wenigstens für ein paar Wochen.

Die Stimmung verbesserte sich, es gab erst einmal keine bedrohlichen Termine am Horizont und schließlich gelang es uns tatsächlich, uns wieder zu freuen. Unterschwellig blieb die Angst. Um das Baby, um Kind Nr. 1, um den Start. Was, wenn es gleich heftig zur Sache gehen sollte? Wenn wir lange im Krankenhaus bleiben müssten? Und immer wieder lange Aufenthalte drohen würden? Was sollten wir Kind Nr. 1 sagen? Was der Verwandtschaft? Schließlich wussten wir nichts und doch zu viel. Und trotzdem, umso näher der Geburtstermin rückte, umso mehr begann ich mich zu freuen.

Unser Baby kommt

War es das alles wert?

Wenn die Technik die Wissenschaft überholt – Feindiagnostik 2

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Erster Teil

Der zweite Termin lief nicht besser. Die Ärztin kam gleich zur Sache und schallte los, das Ergebnis wieder undurchsichtig. Ja, eine Entwicklung des Gehirns sei nicht von der Hand zu weisen. Es gäbe Fortschritte zu verzeichnen, dafür würde es nun bei der Gyrierung (also der Windung des Gehirns, wie ich heute weiß) noch hapern – eigentlich sollte diese zum aktuellen Zeitpunkt schon ausgeprägter sein. Sie bat uns, ihren Kollegen mit hinzuziehen zu dürfen. Wir willigten ein und warteten – ich vollkommen aufgelöst – auf den Kollegen.

Auch dieser sah, was die „Kollegin meint“. Nun, er wäre nicht alarmiert ohne die Vorgeschichte. Einige Bluttests von mir wären nicht schlecht, um Infektionen während der Schwangerschaft auszuschließen. Wieder die Frage, ob wir dieses Baby auf jeden Fall bekommen wollen würden (ja) und ob weitere Untersuchungen gewünscht seien. Letzteres verneinten wir abermals, denn nach mehrmaligem Nachhaken war ziemlich klar: Auch die Untersuchungsergebnisse eines MRT könnten kaum eine Prognose zulassen, eine Fruchtwasseruntersuchung war wegen des Risikos für das Baby für uns ausgeschlossen. Der Arzt war froh, unsere eindeutige Entscheidung mache „einiges leichter“. Für ihn.

Zurück zu Hause standen neue Fragezeichen im Raum. Gyrierung. Was genau sollte das sein. Was bedeutet das alles. Kann uns wirklich niemand Fragen beantworten. Während die Ärztin uns zwar angeboten hatte, mit einem Humangenetiker zu sprechen – weshalb, war mir zu dem Zeitpunkt gar nicht so klar – kam niemand auf die Idee, uns an eine (im Haus ansässige!) Beratungsstelle zu verweisen. Wir waren wir, mit 1000 Fragen und einem weiteren Kontrolltermin in vier Wochen.

Mittlerweile kannte ich vermutlich alle unter Google aufzuspürenden Beiträge, die auch nur annähernd mit diesem Thema zu tun hatten, sämtliche Elternforen für Kinder mit Beeinträchtigung und wurde immer versessener. Gern hätte ich Antworten gehabt, Gleichgesinnte oder Gewissheit. Stattdessen legte sich auf die Schwangerschaft ein grauer Schleier der Angst, der Trauer, der Ungewissheit. Immer wieder versuchte ich, einen Kontakt zu meinem Kind aufzubauen, in mich zu spüren, zu versuchen, ein Ultraschallbild nicht zwischen uns kommen zu lassen. Und mich mit aller Kraft doch endlich zu freuen. Auf mein Kind. Verdammt nochmal, ich wollte mich freuen. Mit dem Ergebnis, dass ich komplett verunsichert nicht mehr wusste, wie es mir oder meinem Baby geht. Ich hatte mein Bauchgefühl verloren.

Ich war auch wütend. Auf die Medizin, die Wissenschaft, darüber, wie unverantwortlich meiner Meinung nach mit Eltern umgegangen wird, dass niemand sich mehr traut, konkret zu werden. Ich weiß, das sind alles Dinge, die einem bewusst sein sollten, wenn man sich für eine Feindiagnostik entscheidet. Und dennoch, geht das überhaupt? Wenn die Technik die Wissenschaft überholt. Es kam mir so skurril vor, dass wir das Geschlecht unseres Kindes nicht erfahren wollten und gleichzeitig schon die Tiefen seines Gehirns erforschten.  Und ja, ich gebe es zu – da war auch eine gehörige Portion Selbstmitleid. Und immer wieder unsere Versuche, uns zu freuen.

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Blick in die Glaskugel – Feindiagnostik 1

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Ich hatte euch ja schon angekündigt, dass hier nun auch persönlichere Beiträge zu finden sein werden. Der Weg zu Kind Nr. 2 war ein wenig anders als erwartet und ich möchte Gedanken und Erlebnisse dieser Zeit gerne teilen, da mir selber einige Blogs toller Frauen und Mamas unglaublich hilfreiche Begleiter waren und sind.

Here we go.

Wie auch mit Kind Nr. 1 haben wir uns mit Kind Nr. 2 dafür entschieden, in der 20. Schwangerschaftswoche zur Feindiagnostik zu gehen. Nicht blauäugig. Uns war bewusst, dass wir hier auf Fragen stoßen könnten, deren Beantwortung schwer werden könnte. Uns war auch bewusst, dass dies nicht nur lustiges „Babywatching“ ist. Und dennoch.

Wir – vor allem ich – waren nervös. War das bei Kind Nr. 1 auch schon so? Ich weiß es nicht mehr. Wir hatten Respekt und waren voller Hoffnung, dass alles gut ist. Soweit lief es auch erst einmal gut, Baby munter, Organe schick. Dann kam der Kopf, das Gehirn. Hm, die Ärztin ließ sich etwas Zeit, guckte genauer hin. Dann bemüht fröhlich: „Ihr Baby gefällt mir ganz wunderbar. Es gibt hier lediglich eine Region im Gehirn, die noch etwas zaghaft ausgeprägt ist. Das macht mir aber keine Sorgen. Vielleicht können sie in sechs Wochen noch einmal zur Kontrolle kommen, dann wird sicher alles in Ordnung sein.“

Während mein Kopf noch versuchte, die Worte so zu sortieren, dass ich sie verstehen konnte, wurden wir gefragt, ob wir weitere Untersuchungen machen wollten – Fruchtwasserpunktion, MRT etc. – und ob wir dieses Baby in jedem Fall bekommen möchten. Obwohl sie sich ja keine Sorgen machte. Wir entschieden uns gegen alle zusätzlichen Untersuchungen. Und ja, dieses Baby sollte kommen. Egal wie.

Bevor wir uns versahen standen wir wieder draußen.

Ich gehöre zur Google-Generation. Ich bin eine mündige Patientin und Mutter. Solche Aussagen, nun ja, beruhigen mich nicht. Und somit begann ich zu forschen. Wider besseren Wissens warf ich „Corpus Callosum“ ins Internet – die Region, die wohl noch „etwas zaghaft ausgeprägt“ war – und erhielt niederschmetternde Ergebnisse. Was hatte ich mir auch erhofft von Dr. Google? Sechs Wochen des zermürbenden Wartens gingen los.

Zusätzlich begann ich, immer tiefer in den Bauch zu spüren, jede Emotion zu deuten. Wie geht es dem Baby? Wächst es? Fühlt sich alles „normal“ an? Setzt mein Stress das Baby unter Stress? Funktionieren für das große Kind – und die Vorfreude des großen Kindes.

Bis zum nächsten Kontrolltermin hatten wir alles durch. In unseren Gedanken waren alle Szenarien durchgespielt, vom schwerbehinderten Kind bis zur leichten Entwicklungsverzögerung oder gar einem komplett unauffälligen Kind war alles dabei. Ich bestellte Bücher im Internet, las amerikanische Forschungsaufsätze, befand mich in meiner ganz eigenen Welt. Nur wegen einer kleinen Bemerkung während der Feindiagnostik.

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