Archiv der Kategorie: Krankheiten

Namenlose Unbekannte 

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Ein MRT stand an. Für Kind Nr. 2. Von langer Hand geplant. Endlich genau wissen, was in ihrem Kopf los ist. Denn nach dem Ultraschall nach der Geburt gab es nur noch Mutmaßungen.

Wir schauen sie an. Sie entwickelt sich toll. Sie macht immer weiter, hat so viel Spaß am Leben. An sich, an uns, an ihrem Bruder. Und trotzdem immer wieder Termine für sie. Augen checken, Ohren checken, Herz checken, Haut checken, Motorik, Sprache, Verhalten checken…Check.

Nun das MRT. Ohne Not. Nur, um zu wissen. Warum eigentlich? Was eigentlich? Das fragten wir uns ernsthaft. Es gibt keinerlei medizinische Indikation. Nur die Neugierde. Die der Ärzte und unsere. Doch der Erkenntnisgewinn hält sich in Grenzen. Nur ein „Da ist etwas…“ wurde uns angekündigt, kein „Das bedeutet…“ Keine besseren Therapien, keine genaueren Prognosen. Nur Ungewissheit mit einem Namen.

Wir haben es abgesagt. Wir nennen unsere Ungewissheit einfach weiterhin Ungewissheit.

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Zwischen den Zeiten 

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Was wäre, wenn, und was war gewesen und was wird sein? Und wenn das Gewesen-Wesen anders wäre und der Konjunktiv die Zukunft kennte, wäre das Hier und Jetzt dann auch im Gestern und Morgen?

Das Leben ist zu kurz, um es zu übersehen! Lebt, Ihr Lieben, lebt!

Vom Menschsein

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Vom Menschsein

Übermorgen jährt sich die Geburt von Kind Nr. 2. Wow. Vor einem Jahr waren wir voller Vorfreude und hatten riesige Angst, was uns mit ihrer Geburt erwarten würde.

Wie werden die ersten Tage? Wird sie womöglich Krampfanfälle haben? Wird sie alleine trinken können? Funktionieren alle Organe, die Atmung, dürfen wir mit ihr bald nach Hause oder geht’s direkt weiter auf die Neonatologie? Und wie erklären wir das alles Kind Nr.1? 

In der Rückschau ist es so einfach: Was für ein Glück wir haben! Kind Nr. 2 ist weder auf Medikamente angewiesen noch auf Hilfsmittel, sie ist meistens fröhlich und die große Liebe ihres Bruders. Pünktlich zu ihrem ersten Geburtstag hat sie sogar einen Meilenstein erreicht: Sie kann sich selber hinsetzen und robbt gemächlich mit viele Pausen durch die Welt. Sie kann klatschen, deuten, sich verstecken und sich kaputt lachen, wenn sie gekitzelt wird. Sie hat großartige Hasenzähnchen und steht auf Essen. Jedes Essen. Sie lautiert nicht so wie andere Babies, aber ihre „oooooh“s und „üüüüüüühhhhh“s haben einen sehr besonderen Charme. 


Doch letztendlich geht es gar nicht um das, was sie kann, sondern um das, was sie mich Tag für Tag lehrt: Es geht nicht um mich. Ein Mensch wird gewünscht und geboren. Ein Mensch wird geliebt und geborgen, ein Mensch wächst heran. Und dabei soll er die Chance haben, der Mensch zu werden, der er ist. Nicht mehr und nicht weniger. 

Und ich werde mein Bestes geben, meinen Kindern dabei zur Seite zu stehen.

Stempel-Angst?

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In den letzten Tagen bin ich zufällig mehrmals über das Thema „Stempel Behinderung“ gestolpert – und nun lässt mich das ganze nicht mehr los. Es begab sich in unserer Krabbelgruppe (für Kinder mit und ohne Beeinträchtigung), dass ich gefragt wurde, welche Kita wir für Kind Nr.2 auswählen würden. Daraufhin lautete meine unbedarfte Antwort, dass wir das wohl erst entscheiden, wenn wir wissen, ob wir für sie einen Integrations-Status beantragen werden oder nicht, was ja wiederum von ihrer Entwicklung abhängt. Bei dieser Aussage fühlte sich nun die anwesende Physiotherapeutin (die, soweit ich weiß, nicht privat sondern ausschließlich beruflich mit Besonderungen zu tun hat) dazu berufen, mich eindringlich zu warnen, dem Kind doch nicht so einen „Stempel“ zu verpassen, den würde es ja nie wieder los werden. Ich wurde etwas stutzig und fragte, was genau sie denn mit Stempel meine, da es ja nur darum gehen solle, meiner Tochter ggfs. zusätzliche Hilfe zur Seite zu stellen, die sie – sofern ein I-Status anerkannt werde – dann ja vermutlich auch brauche. Aus meiner beruflichen Erfahrung als Schulsozialarbeiterin bedeutet ein Status im besten Falle zusätzliche Stunden für pädagogisches Personal, worüber alle Beteiligten in der Regel sehr dankbar sind. 

Es entbrannte dann eine kleine Diskussion, ob diese Informationen ungefragt von Kitas an die Schulen weitergegeben würden (meines Wissens nach nicht!!!), ob die Kinder durch einen Status in Schubladen wandern würden ( à la „Mehrarbeit“, „doof“, „kann man nichts zutrauen“) oder nicht. Dabei kamen übrigens alle anwesenden I-Status-Mamis zu dem Ergebnis, bislang ausschließlich positive Erfahrungen damit gemacht zu haben, während diejenigen, die das Thema beruflich berührte, zögerlicher waren. 

Gestern erzählte mir nun eine Bekannte von einer befreundeten Mutter, deren Tochter mit fast einem Jahr aus ungeklärter Ursache stark entwicklungsverzögert sei. Die Mutter des Mädchens (selber beruflich vom Fach)- habe eben aus dieser Stempel-Angst das eigene Kind bislang nicht auf Syndrome etc. hin testen lassen. Ich denke ja nun auch nicht unbedingt, dass jede Diagnostik notwendig ist, aber aus Angst vor Stempeln darauf zu verzichten?

Für mich stellt sich nun die Frage, ob diese unterschiedlichen Einschätzungen tatsächlich etwas damit zu tun haben, ob der Link privater oder beruflicher Natur ist? Und was heißt das dann für das Selbst-und Fremdbild der professionelle Helfer? Und: Bin ich naiv, wenn ich weiterhin wenig Angst vor Stempeln – bzw. nicht mehr, als vor anderen Schubladen – habe? Wer hinter die Kulissen sehen will, tut es doch trotzdem, wen es nicht interessiert, wird auch ein Stempel kaum beeindrucken – oder?

Nas(ch)enbecher

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Ich sitze mit zwei anderen Kita-Muddis in einem Straßencafé. Die vier Kinder sind unterwegs, Süßigkeiten beim Späti kaufen, mit Strassenmusik (aka Kitalieder neu inszeniert, hihi…) Geld dafür verdienen, unter den Tischen des Cafés rumkrauchen. Das Baby trinkt gerade bei mir, als ein dreckverschmiertes Kind Nr. 1 mit alarmiert aufgerissenen Augen vor mir erscheint.

„Mama, soll ich dir mal was erzählen?“, schreit er fast panisch.

„Was denn, Schatz?“

„Ich habe Zigarette in der Nase! Hier drinnen“, er deutet auf eine Stelle kurz unter der Nasenwurzel, „steckt sie !!!“

Jetzt bin ich auch panisch. Immerhin habe ich schon die wildesten Sachen aus der Nase von Kind Nr. 1 gezogen – ich will mir gar nicht vorstellen, wie tief so ein Zigarettenfilter in einer Kindernase verschwinden kann. Also wird dem Baby das Spucktuch entrissen und Kind Nr.1 schnäuzt und schnäuzt und schnäuzt. 

Währenddessen versuche ich die Lage zu sondieren, und frage so ruhig wie möglich nochmal genau nach, welcher Teil der Zigarette denn nun den Weg in die Nase gefunden hat. Nicht der Filter, nicht die Zigarette! Genaugenommen nur der Finger, der Letztere vorher zerdrückt hatte. Puhhhhh. 

Dennoch, so sehr ich die Stadt auch liebe. Kippen am Boden sind echt ätzend!!! 

BlogSinn, TiefSinn, MeinSinn

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Lange habe ich hin- und herüberlegt. Wie weit geht dieser Blog? Wie persönlich soll er sein? Was will ich mitteilen und warum? Wahrscheinlich Fragen, die jeder Blogmensch sich irgendwann einmal stellt. Meine Antworten bislang: Ich will mitteilen, was Spaß macht, was anderen Spaß machen könnte und vor allem auch Erinnerungen für meine Kinder festhalten. Das Ganze nicht so persönlich, dass ich angreifbar werde.

Mit Kind Nr. 2 hat sich nun einiges verändert. Und somit ergänze ich auch meine Antworten: Ich will mitteilen, was oft nicht so offen erzählt wird. Damit mache ich mich zwar angreifbar – aber das scheint es mir wert zu sein, hat es mir doch in den letzten Monaten so sehr geholfen, von anderen zu lesen, denen es ähnlich, anders oder genauso geht.

Gut, nun also nicht mehr so kryptisch. Und weiterhin hoffentlich auch immer wieder amüsant und amüsiert (; Ach ja, und da Kind Nr. 1 nicht wirklich Tim heißt, nenne ich ihn ab sofort Kind Nr.1…so heißt er natürlich auch nicht wirklich, scheint mir aber…ehrlicher?

 

 

Packesel vs Magen-Darm

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Jetzt mal im Ernst: Warum sagt einem das denn keiner? Dass das mit Schlaf und Kindern eine eher ungünstige Kombination ist – keine Neuigkeit. Dass das Paarleben, sagen wir einmal, einen kleinen Schritt zurücktritt – ist ja logisch. Aber dass wir im Winter JEDER Bazille Haus und Hof öffnen? Habe.ich.nicht.gewusst. Nicht nur, dass Tim ohnehin einen ausgeprägten Hang zum klassischen Magen-Darm-Virus hat und es einfach nicht unter vier Infekten zwischen September und Januar macht. Nebenbei arbeiten wir auch noch an diversen Erkältungen, Bronchitis, Mandelentzündungen oder Hand-Mund-Fuß (von meinem Freund liebevoll als „Bauch-Beine-Po“ bezeichnet). Nicht Tim alleine. Ich auch. Immer. Kruzifix.

Jammern? Ja, ich jammere. Zurecht, wie ich finde. Ich werde demnächst ein ernstes Wörtchen mit der Evolution, Schöpfung oder wer sich da sonst zuständig erklärt sprechen: Beim Austüfteln eines sich selbst entwickelnden Abwehrsystems hat doch jemand grundlegend versagt! Wikipedia spricht übrigens von der „spezifischen oder adaptiven Immunabwehr“, die angeblich in der Lage ist, Angreifer zu erkennen und gezielt binnen kurzer Zeit eine angemessene Abwehrreaktion zu ermöglichen.

Ich bin mir sicher, dass hier der Haken an der Sache zu finden ist: Was ursprünglich einmal unter „kurzer Zeit“ zu verstehen war, ist heutzutage gründlich überholt. Vor der Erfindung des Rades galt ein Packesel ja auch als rasantes Fortbewegungsmittel. Nun ja, bis sich jemand dieser Angelegenheit gewissenhaft annimmt, arbeiten wir hier wohl weiter an unserem Zeitverständnis. Es lebe die Entschleunigung.