Archiv der Kategorie: Kindermund

Definiere „Unendlich“

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Definiere „Unendlich“

Kind Nr.1: „Mama, wenn die Sonne erlischt, können die Menschen nicht mehr leben. Aber das wird erst in ganz vielen Milliarden Jahren sein.“

Ich: „Ein Glück, da möchte ich nicht gern dabei sein.“

Kind Nr.1, sichtlich erstaunt: „Warum? Vielleicht geht dann wieder alles von vorne los?“

Ich: „Wie von vorne?“

Kind Nr.1: „Vielleicht entsteht dann eine neue Sonne. Und dann entsteht hier wieder Leben. Und auch die Dinos. Und irgendwann auch wieder wir, genau wie jetzt.“

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Himmlischer Spuckemix

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Kind Nr. 1 bekommt neuerdings Spucke-Allüren. Ich darf nicht aus demselben Glas trinken, nichts von meinem auf seinen Teller legen und biete ich ihm einen von mir angebissenen Apfel an, wird das mit angewidertem Blick und einem „Bäh Mama, da sind doch Deine ganzen Bakterien dran“ quittiert. 

Umso erstaunter war ich, als er gestern ohne mit der Wimper zu zucken einträchtig mit seiner kleinen Schwester (die eindeutig mehr sabbert als ich!) seine Trinkflasche teilte.

Darauf angesprochen erklärte er mir die Begebenheit wie folgt: „Ach Mama. Kind Nr. 2 und ich kennen uns schon so lange, bei uns ist doch eh immer alles gleich. Wir waren zusammen im Himmel, in derselben Himmelskita und derselben Himmelsschule. Und dann habe ich als erster Deinen Bauch von innen gesehen und nun sie. Wir sind also genau gleich, da können wir auch aus meiner Flasche trinken.“

Pfffff… Als ob ich diese himmlischen Einrichtungen nicht schon Jahre vor dem Grünschnabel durchlaufen hätte. Aber bis er darauf kommt, lecke ich meine Süßigkeiten alle an.

Unendliches Glatteis

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Unendliches Glatteis

Es gibt sie immer öfter, diese wunderschönen und wahnsinnigen Gespräche mit Kind Nr. 1, an deren Ende ich einen Knoten im Hirn habe und mich unendlich unwissend fühle. So geschehen gestern…

„Mama, im Radio haben sie gesagt, dass Frauen älter werden als Männer. Warum ist das so? “

Ich bin es mittlerweile gewohnt, bei jeder dritten Frage vom Junior das www oder wahlweise seriöses Wissen auf Papier zu Rate zu ziehen. Nicht, weil ich so unterdurchschnittlich viel weiß (naja, denke ich jedenfalls…) oder aber pedantisch wäre. Aber ich kenne meinen Sohn und weiß, dass sich jede kleinste Fehlauskunft rächen könnte. Kind Nr. 1 merkt sich die abgefahrensten Dinge über Ewigkeiten und schmiert sie mir dann irgendwann unvermittelt aufs Butterbrot. Da will ich sicher gehen. Nur so äh, zur Sicherheit.

Zurück zu den alternden Damen – und ich ohne Papier und ohne Internet. Auweiamist. Blank und ohne Sicherheitsnetz geht’s also ab aufs Glatteis, auf dem ich verzweifelt versuche, eine einigermaßen gute Figur abzugeben. Dabei muss ich zu meiner Verteidigung sagen, dass das Baby quengelig und müde war und wirklich keine Lust auf Fragestunde hatte…

Ich versuche mich also kurz zu sammeln, um eine vernünftige Antwort zu präsentieren. Dabei schießen mir verschiedene Gedanken durch den Kopf: Männer besetzen häufig immer noch die höher dotierten Jobs, die dann vielleicht auch mehr Stress bedeuten – leben sie also ungesünder? Das scheint mir dann doch sehr pauschal, außerdem lauert hinter der nächsten Ecke die ganze Gender-Debatte – das wäre ja uferlos!!

Ein neuer brauchbarer Gedanke muss also her… Ha! Hormone! Testosteron führt ja wohl in dem ein oder anderen Fall zu einer höheren Risikobereitschaft (sagt man doch so)….hm, ist da nicht schon wieder die Gender-Sache im Busch? Nicht mit nörgelndem Baby! Also weiter überlegen…

Stichwort Menstruation… okay, da ist jetzt erstmal das Gender-Ding etwas weiter weg. Aber stimmt das? Ist das quasi sooo selbstreinigend, dass es uns ein mehrere Jahre längeres Leben schenkt? Und will ich darüber jetzt mit Junior fachsimpeln?

„MAMA!!!“

Njoaaaaa, okay, also, dann eben Menstruation. Ich werfe meine These unter dem Stichwort „Nicht wissen nur glauben“ in den Ring. Noch bevor ich überlegen kann, ob ich mein Kind mit dieser halbgaren Theorie in die Welt entlassen kann, kommt schon die nächste Frage: „Aber so alte Frauen haben das doch gar nicht mehr!“ (Woher weiß er das???)

„Ja, das stimmt. Aber für viele Jahre haben sie es trotzdem.“

„Und dann?“

„Dann sind die Eizellen alle.“

„Und warum werden denn die Eizellen nicht immer befruchtet?“ 

Gnaaaaaa… Ich ahne langsam, dass das mit der Gender-Debatte vielleicht doch die leichtere Variante geworden wäre…

„Weil es nicht immer eine Samenzelle gibt, die das Ei befruchtet.“ 

„Und warum nicht?“

„Naja, Du weißt doch, dass Mann und Frau ganz doll kuscheln müssen, damit das passiert?“

Hab  ich das wirklich gesagt? Glücklicherweise ist Junior (Dank meiner gelungenen Hühneraufklärung?) wesentlich abgeklärter als ich:

„Also eigentlich muss der Penis in die Scheide!“

„Äh, ja, genau.“ 

„Und warum bekommen die Menschen dann nur so wenig Kinder, Mama?“

„Hm…“ 

Echt jetzt.  Wir machen das gründlich. Also erzähle ich von den Industrienationen, wo es viel Geld aber wenig Zeit gibt und von ärmeren Ländern, wo es viel Zeit aber wenig Geld gibt. Und von wieder anderen, wo Kinder Wohlstand oder Altersvorsorge bedeuten. Und irgendwann landen wir dann bei Kinderarmut, bei Kupfer sammelnden Jungs und bei Verhütung…

„Wie bekommt man keine Kinder, Mama?“

Himmel, er ist doch erst 5! Gut, dann das auch noch. Ich erzähle also von  Kondomen („Aber das tut doch weh, Mama!“  – „Nein, so fest ist das nicht am Pullermann!“) und von der Pille („Was macht die denn genau im Körper, Mama?“) und von Religionen, die Verhütung ablehnen (Ja, ich gebe zu, manchmal übertreibe ich auch…). 

Schließlich ist Junior ruhig. Er denkt, legt sich aufs Trampolin und guckt hoch in das Buchenblätterdach.

Das Baby ist halbwegs an der Brust eingeschlafen und ich, müde wie nach einem Marathon, werde das Gefühl nicht los, dass mich die Gender-Debatte aus der Ferne triumphierend ausgrinst…

Mit Gottes Segen…

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Am vergangenen Wochenende wurden beide Kinder getauft. Nach dem Gottesdienst machte sich Kind Nr. 1 in einem unbeobachteten Moment mit seinem Kitakumpel im angrenzenden Park selbständig. Ungefragt. 

Nun ja, nachdem beide Kinder wieder eingefangen waren, wollte der Mann ihn immerhin kurz zur Rede stellen: „Schatz, wir haben Dich gerade alle gesucht, Du kannst doch nicht einfach weggehen ohne uns Bescheid zu sagen!“

Kind Nr. 1: „Aber Papa, Gott ist doch jetzt bei mir!“

Halleluja!

Eier mal anders

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Kind Nr.1: „Mama, warum bemalt man eigentlich Eier zu Ostern?“

Ich: „Hm, Ostern feiert man ja die Auferstehung von Jesus. Und das Ei ist ein Symbol für neues Leben. Das will man dann an Ostern wohl einfach noch etwas hübscher machen.“

Kind Nr. 1: „Hm, dann könnte man dafür doch auch Gebärmütter nehmen, oder?“

Der Mann blickt verwirrt. Ich pruste los, vor meinem inneren Auge tanzen Hyazinthensträusse mit lauter kleinen Gebärmüttern behängt.

Kind Nr.1 fühlt sich nicht ernst genommen. Unwirsch: „Natürlich aus Plastik, Mama. Mit kleinen Babys drin.“

Ich, bemüht: „Ja Schatz. Das könnte man theoretisch.“

Kind Nr.1: „Mama, dann machen wir das nächstes Jahr so.“

Nächstes Jahr ist er ein Jahr älter, vielleicht kommen wir dann irgendwie um die Sache herum…

Sammelsache und Riesen-Rache

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Kind Nr.1 hat eine ausgeprägte Sammelleidenschaft. Wenn nicht, wie Ostern letztes Jahr passiert, ausgerechnet ein hartgekochtes Ei über Wochen in seiner Jackentasche lagert, stört es mich mittlerweile kaum noch. Der Mann allerdings hat irgendwie ein Thema am Laufen…

Der Mann zu Kind Nr.1: „Stell Dir vor, Du bist mit der Kita unterwegs. Du hast schon viel gesammelt, und dann liegen da noch eine alte Schraube und ein schöner Stein. In Deine Hand passt nur noch eine Sache. Welche würdest Du mitnehmen?“

Kind Nr.1 (unbekümmert): „Ach, ich würde etwas von einer in die andere Hand tun und dann beides mitnehmen, dann passt ja wieder  viel in meine Hand.“

Der Mann (lacht): „Nein, nein, das geht nicht. Du hast insgesamt nur noch Platz für eine Sache in Deinen Händen.“ 

Kind Nr.1 (verwundert): „Aber Papa, ich habe doch extra eine Sammeltasche in meiner Jacke, da kann ich ALLES rein tun, was ich finde.“ (Ja, stimmt…)

Der Mann (holt leise Luft): „Die ist auch schon voll, Du hast definitiv nur noch Platz für EINE Sache!“

Kind Nr.1 (in dem Ton, den er wohl aus unseren ernsthaften erzieherischen Interventionen kennt): „Papa. Ich habe doch schon auf Deine erste Frage geantwortet, und das gilt.“

Der Mann (stockt kurz): „Ja. Aber stell Dir mal vor, Du müsstest Dich entscheiden. Was nimmst Du, die rostige Schraube oder den schöööönen Stein?“ 

Kind Nr.1 (leicht genervt): „Nein Papa. So machen wir es nicht, das mit dem Entscheiden lassen wir. Ich bohre einfach die Schraube in den Stein, dann nimmt sie keinen Platz weg.“

Der Mann (Sieht er tatsächlich ein bisschen böse aus?): „Nein!!! K. (Erzieherin) ist mit Euch unterwegs und sie VERBIETET Dir, beides mitzunehmen!“

Kind Nr.1 (jetzt empört): „Papa! K. geht NIE mit uns auf den Spielplatz, sie ist doch bei den Eichhörnchen (andere Kitagruppe)!“

Der Mann ist mittlerweile zwischen belustigter und echter Verzweiflung und blickt etwas sehnsüchtig gen Tischkante.

Und das ist er, der Augenblick, in dem ich deutlich spüre: Endlich, nach drei Jahren des Darbens bietet sich hier nun meine Chance, mich für die Geschichte mit dem Riesen zu revanchieren. Und ich hole aus zum vernichtenden Schlag…

Ich: „Okay, dann stell Dir mal vor, Du hast in Deiner Tasche eine rostige Schraube und einen schönen Stein. Und jetzt musst Du sie in der Reihenfolge hinlegen, in der Du sie am liebsten magst.“

Kind Nr.1: „Ach so! Na, zuerst lege ich den Stein hin, dann ein Schneckenhaus, das auch noch da ist, und dann die rostige Schraube!“

Der Mann starrt mich an. Nicht freundlich. Ich grinse. 

Den. Ganzen. Restlichen. Tag.

Sind wir nicht alle ein bisschen…Überraschungspaket?

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Nach der Geburt von Kind Nr.2 beschäftigte uns neben all den Sorgen immer wieder die Frage, wie wir Kind Nr.1 etwas erklären können, von dem wir nicht wissen, was es ist?  Und ob das überhaupt notwendig wäre? 

Während der ersten Monate hatte ich große Angst davor, dass der Große traurig sein könnte, wenn seine Schwester nicht so ist wie andere Babies. Doch umso länger ich meine Kinder beobachtete und sehen konnte, wie sie als Geschwister zusammenwuchsen, desto klarer wurde mir, dass Kinder keine Erwartungen an ein Menschenleben haben. Es sind wir Erwachsenen, die hadern. Im Gegenteil,  Kind Nr.1 zeigte mir etwas so Wichtiges: Ganz selbstverständlich nahm er unser Baby so wie es war. Und freute sich unendlich.

Seit der Geburt hatte ich schon viel mit ihm darüber gesprochen, dass nicht alle Menschen sich gleich entwickeln. Dass nicht jeder Dinge wie Sprechen oder Laufen lernt oder eben einen ganz eigenen Weg einschlägt. Für Kind Nr. 1 alles kein großes Thema.  

Nach einigen Monaten wuchs ein blödes Gefühl in mir. Immerhin begleiteten uns die Sorgen um das Baby ständig und ich war sicher, dass auch Kind Nr.1 diese spürte. Es kam mir so vor, als ob sich in unseren Alltag eine Heimlichkeit geschlichen hatte, die allein durch das Ungreifbare bedrohlich war. Sie stand im Weg herum, spürbar und trotzdem unbesprochen.

Also beschlossen wir, mit ihm über unsere Geschichte zu sprechen. Nicht über all die gruseligen Ängste, aber doch über die Fakten. Leider haperte es genau an diesen, gab es schlicht wenig, das wir ihm hätten sagen können, ohne Diagnose, ohne Prognose. Auch hier hatte ich wieder die Sorge, ob Kind Nr.1 damit umgehen könnte. Und wieder belehrte mich der damals Vierjährige eines Besseren.

In einer ruhigen Minute erzählte ich ihm von den Untersuchungen in der Schwangerschaft, und dass die Ärzte herausgefunden hatten, dass im Kopf von Kind Nr.2 einige Dinge anders gewachsen sind, als bei vielen anderen. Und dass wir deswegen nun eine Art „Überraschungspaket“ bekommen hätten, das sich vielleicht von anderen Babies etwas unterscheidet. Und dass wir darum oft bei Ärzten seien, die genau wissen wollten, was seine Babyschwester denn nun alles so könnte. 

Kind Nr.1 nahm die Botschaft gelassen, stellte einige Fragen darüber, wie die Ärzte das denn sehen könnten, zählte dann stolz auf, was Babyschwester schon alles kann und schloss mit stolzem Blick: „Mama, ich bin aber auch ein Überraschungspaket.“ 

Wie Recht er hat. Und wieviel man von diesen kleinen Menschen lernen kann.

Warum der Teufel seine Großmutter…

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„Ich bin nicht dran schuld. Ich hab das eine Glas umgekippt und DAS hat dann das andere umgestoßen. Da kann ich ja wohl nichts für.“

Respekt für Kind Nr.1. Da das Glas bockig war und den von ihm verschuldeten Fleck nicht wegwischen wollte, habe ich mich dann breit schlagen lassen…