Archiv der Kategorie: Kinder

Kurzmitteilung
Seismische Sorgen

„Mama, liegt unsere Wohnung in der Mitte einer Platte?“

„Meinst Du die Kontinentalplatten?“

„Ja.“

„Ja. Warum fragst Du?“

„Nur so. Liegt unser Haus auf einem Berg?“

„Nein. Warum fragst Du?“

„Gibt es hier in Berlin Erdbeben?“

„Nein, Schatz. Wir haben Glück, bei uns gibt es keine Erdbeben. Und wenn, dann sind sie so gering, dass wir es nicht merken würden.“

„Würde dann die Straße einreißen?“

„Nein. So viel Kraft hätte es nicht.“

„Könnte es einen Riss in der Wand geben?“

„Nein, könnte es nicht.“

„Einen Grashalm abreißen?“

„Nein, keine Sorge.“

„Noch nicht einmal eine Bakterie ohnmächtig machen?“

„Öhm. Nein.“

Ich muss gestehen, bei der letzten Antwort war ich etwas unsicher.

Seismische Sorgen

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Zitat
Essen zwischen Kindern

Frühstück. Wir zu dritt ohne Papa, der darf das heute auf der Arbeit alleine machen. Kleinkind in Hochstuhl einfädeln, Großkind rufen. Setzen. Lätzchen um den Kleinkindhals. Großkind rufen. Großkind rufen, kommt. Stuhl ranschieben, Spielzeuge möglichst am Rand parken lassen. Milchdurst. JETZT!!! Milch in Becher, LANGSAM bitte…Kleinkind heultmeckert, Lätzchen abmachen. Besser. 

Aufstehen, Haargummi um die milchgetränkten Haare vom Großkind, hinsetzen. Teller und Löffel vom Kleinkind aufheben. Rinde vom Brot schneiden, Milch vom Großkind weiter auf den Tisch schieben. Schluck lauwarmer Kaffee. 

Kleinkind Tomate geben. Über das nicht vorhandene Lätzchen ärgern. Ach egal. Mehr lauwarmer Kaffee. Großkind helfen, das halbe Kilo Butter gleichmäßig auf dem Brot zu verteilen. Loben. Wegen der Selbständigkeit. Tomate von der Hose wischen. Yeah, hab heute die schwarze an. Margarine und Marmelade aufs entrindete Brot, in kleine Stückchen schneiden. Kippen ständig um, kleben blöd am Finger und am Messer rum. Ablecken. Lauwarmer Kaffee. Leer. Mist. Marmeladenbrotstückchen zum Kleinkind, Großkind wegen dem ganzen Ei im Mund ermahnen, Becher unter Kaffeeautomaten. 

In Tomate getreten. Kleinkind meckert. Eierschale vom Großkind zum Kleinkind. Findet es besser als Marmeladenbrot. Das hängt am Ärmel. Zurück zum Kaffee. Wasserbehälter soll gefüllt werden. Arschlochautomat. Zum Wasserhahn, Großkind schenkt sich Milch nach. Randvoll. Loben, wegen der Dingsbums. Trinkt, kippt die Hälfte am Mund vorbei. Quietscht, Milch im Ausschnitt ist kalt. Kleinkind lacht, will auch Milch. Darf keine Lactose, die eigene Milch ist aber nicht spannend. Meckert. Ich auch, wegen des Milchsees.

Großkind mit Küchenrolle unter den Tisch schicken, auf den Kaffeeautomaten drücken. „Alle Behälter wechseln“. Arschlochautomat. Kleinkind heult, will auch unter den Tisch. Großkind helfen, wieder setzen. Großkind ist fertig. Kleinkind lässt sich ablenken, möchte den Salzstreuer. Großkind fängt an mit Lego zu spielen, Ninjas transportieren Eierschalen und bleiben im Buttermoor stecken. Kleinkind ist fasziniert. Marmeladenbrot nach wie vor nur am Ärmel. 

Gut, Behälter wechseln, auf Kaffeeautomat drücken, Kaffee wird produziert. Joghurt fürs Kleinkind öffnen, Löffel in die Hand geben, übers nicht vorhandene Lätzchen ärgern. Mit zweitem Löffel zufüttern, selber das Kind mehr einsauen als das Kind es tut. Aber es isst. Und leckt dabei den Salzstreuer ab. Die Ninjas fangen an, die Feinde (mich und das Kleinkind) mit Eierschale zu bewerfen. Das Kleinkind findet’s knorke. Ich nicht so. Beende das hier. Großkind wird zum Spielen geschickt, Kleinkind isstmatscht noch weiter Salzjoghurt. Als ein Ninja in Reichweite kommt, muss er das auch. Wer mit Eierschalen wirft… 

Während ich beginne, unter dem Hochstuhl Essensreste zu sammeln, wirft mir das Kleinkind Marmeladenbrotstückchen in die Haare. Dafür eignen sie sich optimal. Kleinkind findet das knorke, ich nicht so. Beende das hier, setze das Kind unter den Tisch. Es isst. Loben wegen der Selbständigkeit…

Hole mir den lauwarmen Kaffee. Trinke ihn ganz langsam und in Ruhe, bis er richtig kalt ist. Hunger hab ich irgendwie gar nicht.

Essen zwischen Kindern

Kleine Pupse ernstgenommen

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Kind Nr.1 ist ein großer Fan der „Sendung mit der Maus“. Ich auch. Ernsthaft. Ich finde es großartig, wie kleine und große Sachverhalte kindgerecht, mit viel Liebe zum Detail und immer mit großem Respekt vor Thema und Adressaten aufgedröselt werden. 

Und nun! Nun gibt es den absoluten Lieblingsfilm meines Sohnes, den auch ich unschlagbar finde und darum hiermit für die Vergrößerung der Reichweite sorge: Man googele „Pups im Winter“ und lasse die Sendung beginnen. Viel Spaß!

Abgekämpft 

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Abgekämpft 

Manchmal ist die Haut zu dünn. Kleine Nadelstiche werden zu großen Rissen und alle Kraft rinnt davon. Blöd, wenn dies genau dann so ist, wenn die Welt sich viel zu schnell dreht.

Heute war ich beim KJGD, einen I-Status auf die Kinder stempeln lassen. Hilfreich wird es sein. Zeit verschaffen und die nötige Ruhe, den kleinen Menschen aufmerksam zu begegnen. Ich weiß das. Und doch, es sticht, es piekt, die ein oder andere Träne begleitet das Vertrauen, das alles gut wird. Und die Angst, wieviel Kraft das wohl kosten wird. 

Heute ist der Tag der dünnen Haut. Nun heißt es atmen, anhalten, hinsehen. Sie lachen, sie toben, sie sind. Ganz wunderbar. Es ist nur ein Moment, schon wieder vergangen um ein neuer zu werden. Einfach so. 

Definiere „Unendlich“

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Definiere „Unendlich“

Kind Nr.1: „Mama, wenn die Sonne erlischt, können die Menschen nicht mehr leben. Aber das wird erst in ganz vielen Milliarden Jahren sein.“

Ich: „Ein Glück, da möchte ich nicht gern dabei sein.“

Kind Nr.1, sichtlich erstaunt: „Warum? Vielleicht geht dann wieder alles von vorne los?“

Ich: „Wie von vorne?“

Kind Nr.1: „Vielleicht entsteht dann eine neue Sonne. Und dann entsteht hier wieder Leben. Und auch die Dinos. Und irgendwann auch wieder wir, genau wie jetzt.“

Himmlischer Spuckemix

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Kind Nr. 1 bekommt neuerdings Spucke-Allüren. Ich darf nicht aus demselben Glas trinken, nichts von meinem auf seinen Teller legen und biete ich ihm einen von mir angebissenen Apfel an, wird das mit angewidertem Blick und einem „Bäh Mama, da sind doch Deine ganzen Bakterien dran“ quittiert. 

Umso erstaunter war ich, als er gestern ohne mit der Wimper zu zucken einträchtig mit seiner kleinen Schwester (die eindeutig mehr sabbert als ich!) seine Trinkflasche teilte.

Darauf angesprochen erklärte er mir die Begebenheit wie folgt: „Ach Mama. Kind Nr. 2 und ich kennen uns schon so lange, bei uns ist doch eh immer alles gleich. Wir waren zusammen im Himmel, in derselben Himmelskita und derselben Himmelsschule. Und dann habe ich als erster Deinen Bauch von innen gesehen und nun sie. Wir sind also genau gleich, da können wir auch aus meiner Flasche trinken.“

Pfffff… Als ob ich diese himmlischen Einrichtungen nicht schon Jahre vor dem Grünschnabel durchlaufen hätte. Aber bis er darauf kommt, lecke ich meine Süßigkeiten alle an.

Mitten auf die Zwölf

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Eigentlich ist alles gut. Und dann kommt unsere Ärztin. Unsere mit den Jahren geprüfte und für gut befundene Kinderärztin. Unaufgeregt in Bezug auf Kind Nr. 2, ein Gegenpol zum hibbeligen Aktionismus der Klinik. Unsere medizinische Erdung. Die bei der U6 ohne mit der Wimper zu zucken ‚altersgemäß entwickelt‘ angekreuzt hat. Mit der Bemerkung: „Wir müssen ja nicht auch noch die Pferde scheu machen.“

Und dann kommt sie also. UNSERE  Ärztin und sagt: „Jetzt ist ein MRT noch nicht wichtig. Aber wenn es in einigen Jahren kognitiv so richtig losgeht, dann können Sie die klinische Anbindung sicher brauchen.“

Sagt sie, so nebenbei. Und ich, bis dahin auf so unbeschwerten Bahnen  kreisend, stürze ab. Vollkommen unerwartet und lande krachend auf dem Erdboden. 

Manchmal erwischts einen. Mitten auf die Zwölf. 

Unendliches Glatteis

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Unendliches Glatteis

Es gibt sie immer öfter, diese wunderschönen und wahnsinnigen Gespräche mit Kind Nr. 1, an deren Ende ich einen Knoten im Hirn habe und mich unendlich unwissend fühle. So geschehen gestern…

„Mama, im Radio haben sie gesagt, dass Frauen älter werden als Männer. Warum ist das so? “

Ich bin es mittlerweile gewohnt, bei jeder dritten Frage vom Junior das www oder wahlweise seriöses Wissen auf Papier zu Rate zu ziehen. Nicht, weil ich so unterdurchschnittlich viel weiß (naja, denke ich jedenfalls…) oder aber pedantisch wäre. Aber ich kenne meinen Sohn und weiß, dass sich jede kleinste Fehlauskunft rächen könnte. Kind Nr. 1 merkt sich die abgefahrensten Dinge über Ewigkeiten und schmiert sie mir dann irgendwann unvermittelt aufs Butterbrot. Da will ich sicher gehen. Nur so äh, zur Sicherheit.

Zurück zu den alternden Damen – und ich ohne Papier und ohne Internet. Auweiamist. Blank und ohne Sicherheitsnetz geht’s also ab aufs Glatteis, auf dem ich verzweifelt versuche, eine einigermaßen gute Figur abzugeben. Dabei muss ich zu meiner Verteidigung sagen, dass das Baby quengelig und müde war und wirklich keine Lust auf Fragestunde hatte…

Ich versuche mich also kurz zu sammeln, um eine vernünftige Antwort zu präsentieren. Dabei schießen mir verschiedene Gedanken durch den Kopf: Männer besetzen häufig immer noch die höher dotierten Jobs, die dann vielleicht auch mehr Stress bedeuten – leben sie also ungesünder? Das scheint mir dann doch sehr pauschal, außerdem lauert hinter der nächsten Ecke die ganze Gender-Debatte – das wäre ja uferlos!!

Ein neuer brauchbarer Gedanke muss also her… Ha! Hormone! Testosteron führt ja wohl in dem ein oder anderen Fall zu einer höheren Risikobereitschaft (sagt man doch so)….hm, ist da nicht schon wieder die Gender-Sache im Busch? Nicht mit nörgelndem Baby! Also weiter überlegen…

Stichwort Menstruation… okay, da ist jetzt erstmal das Gender-Ding etwas weiter weg. Aber stimmt das? Ist das quasi sooo selbstreinigend, dass es uns ein mehrere Jahre längeres Leben schenkt? Und will ich darüber jetzt mit Junior fachsimpeln?

„MAMA!!!“

Njoaaaaa, okay, also, dann eben Menstruation. Ich werfe meine These unter dem Stichwort „Nicht wissen nur glauben“ in den Ring. Noch bevor ich überlegen kann, ob ich mein Kind mit dieser halbgaren Theorie in die Welt entlassen kann, kommt schon die nächste Frage: „Aber so alte Frauen haben das doch gar nicht mehr!“ (Woher weiß er das???)

„Ja, das stimmt. Aber für viele Jahre haben sie es trotzdem.“

„Und dann?“

„Dann sind die Eizellen alle.“

„Und warum werden denn die Eizellen nicht immer befruchtet?“ 

Gnaaaaaa… Ich ahne langsam, dass das mit der Gender-Debatte vielleicht doch die leichtere Variante geworden wäre…

„Weil es nicht immer eine Samenzelle gibt, die das Ei befruchtet.“ 

„Und warum nicht?“

„Naja, Du weißt doch, dass Mann und Frau ganz doll kuscheln müssen, damit das passiert?“

Hab  ich das wirklich gesagt? Glücklicherweise ist Junior (Dank meiner gelungenen Hühneraufklärung?) wesentlich abgeklärter als ich:

„Also eigentlich muss der Penis in die Scheide!“

„Äh, ja, genau.“ 

„Und warum bekommen die Menschen dann nur so wenig Kinder, Mama?“

„Hm…“ 

Echt jetzt.  Wir machen das gründlich. Also erzähle ich von den Industrienationen, wo es viel Geld aber wenig Zeit gibt und von ärmeren Ländern, wo es viel Zeit aber wenig Geld gibt. Und von wieder anderen, wo Kinder Wohlstand oder Altersvorsorge bedeuten. Und irgendwann landen wir dann bei Kinderarmut, bei Kupfer sammelnden Jungs und bei Verhütung…

„Wie bekommt man keine Kinder, Mama?“

Himmel, er ist doch erst 5! Gut, dann das auch noch. Ich erzähle also von  Kondomen („Aber das tut doch weh, Mama!“  – „Nein, so fest ist das nicht am Pullermann!“) und von der Pille („Was macht die denn genau im Körper, Mama?“) und von Religionen, die Verhütung ablehnen (Ja, ich gebe zu, manchmal übertreibe ich auch…). 

Schließlich ist Junior ruhig. Er denkt, legt sich aufs Trampolin und guckt hoch in das Buchenblätterdach.

Das Baby ist halbwegs an der Brust eingeschlafen und ich, müde wie nach einem Marathon, werde das Gefühl nicht los, dass mich die Gender-Debatte aus der Ferne triumphierend ausgrinst…