Archiv des Autors: katze1810

Leichtigkeit

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Leichtigkeit

Anhalten. Aussteigen. Loslassen. Eins werden.

Ja, da ist Sorge. Ja, da ist Angst. Panik sogar. Und manchmal ist es dunkel.

Aber meistens ist da Dein Lachen. Euer Lachen. Und meins. So leicht. Ganz leicht. Das Leben, das Lachen, frei von Schwere und Zwang, fliegen sie hinaus in die Welt.

Ich bin dankbar und frei. Mein Herz ist leicht, die Augen sind offen. Jeden Tag ein bisschen mehr. Und ich weiß nicht, womit ich so viel Glück verdiene. 

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Kurzmitteilung
Seismische Sorgen

„Mama, liegt unsere Wohnung in der Mitte einer Platte?“

„Meinst Du die Kontinentalplatten?“

„Ja.“

„Ja. Warum fragst Du?“

„Nur so. Liegt unser Haus auf einem Berg?“

„Nein. Warum fragst Du?“

„Gibt es hier in Berlin Erdbeben?“

„Nein, Schatz. Wir haben Glück, bei uns gibt es keine Erdbeben. Und wenn, dann sind sie so gering, dass wir es nicht merken würden.“

„Würde dann die Straße einreißen?“

„Nein. So viel Kraft hätte es nicht.“

„Könnte es einen Riss in der Wand geben?“

„Nein, könnte es nicht.“

„Einen Grashalm abreißen?“

„Nein, keine Sorge.“

„Noch nicht einmal eine Bakterie ohnmächtig machen?“

„Öhm. Nein.“

Ich muss gestehen, bei der letzten Antwort war ich etwas unsicher.

Seismische Sorgen

Zitat
Essen zwischen Kindern

Frühstück. Wir zu dritt ohne Papa, der darf das heute auf der Arbeit alleine machen. Kleinkind in Hochstuhl einfädeln, Großkind rufen. Setzen. Lätzchen um den Kleinkindhals. Großkind rufen. Großkind rufen, kommt. Stuhl ranschieben, Spielzeuge möglichst am Rand parken lassen. Milchdurst. JETZT!!! Milch in Becher, LANGSAM bitte…Kleinkind heultmeckert, Lätzchen abmachen. Besser. 

Aufstehen, Haargummi um die milchgetränkten Haare vom Großkind, hinsetzen. Teller und Löffel vom Kleinkind aufheben. Rinde vom Brot schneiden, Milch vom Großkind weiter auf den Tisch schieben. Schluck lauwarmer Kaffee. 

Kleinkind Tomate geben. Über das nicht vorhandene Lätzchen ärgern. Ach egal. Mehr lauwarmer Kaffee. Großkind helfen, das halbe Kilo Butter gleichmäßig auf dem Brot zu verteilen. Loben. Wegen der Selbständigkeit. Tomate von der Hose wischen. Yeah, hab heute die schwarze an. Margarine und Marmelade aufs entrindete Brot, in kleine Stückchen schneiden. Kippen ständig um, kleben blöd am Finger und am Messer rum. Ablecken. Lauwarmer Kaffee. Leer. Mist. Marmeladenbrotstückchen zum Kleinkind, Großkind wegen dem ganzen Ei im Mund ermahnen, Becher unter Kaffeeautomaten. 

In Tomate getreten. Kleinkind meckert. Eierschale vom Großkind zum Kleinkind. Findet es besser als Marmeladenbrot. Das hängt am Ärmel. Zurück zum Kaffee. Wasserbehälter soll gefüllt werden. Arschlochautomat. Zum Wasserhahn, Großkind schenkt sich Milch nach. Randvoll. Loben, wegen der Dingsbums. Trinkt, kippt die Hälfte am Mund vorbei. Quietscht, Milch im Ausschnitt ist kalt. Kleinkind lacht, will auch Milch. Darf keine Lactose, die eigene Milch ist aber nicht spannend. Meckert. Ich auch, wegen des Milchsees.

Großkind mit Küchenrolle unter den Tisch schicken, auf den Kaffeeautomaten drücken. „Alle Behälter wechseln“. Arschlochautomat. Kleinkind heult, will auch unter den Tisch. Großkind helfen, wieder setzen. Großkind ist fertig. Kleinkind lässt sich ablenken, möchte den Salzstreuer. Großkind fängt an mit Lego zu spielen, Ninjas transportieren Eierschalen und bleiben im Buttermoor stecken. Kleinkind ist fasziniert. Marmeladenbrot nach wie vor nur am Ärmel. 

Gut, Behälter wechseln, auf Kaffeeautomat drücken, Kaffee wird produziert. Joghurt fürs Kleinkind öffnen, Löffel in die Hand geben, übers nicht vorhandene Lätzchen ärgern. Mit zweitem Löffel zufüttern, selber das Kind mehr einsauen als das Kind es tut. Aber es isst. Und leckt dabei den Salzstreuer ab. Die Ninjas fangen an, die Feinde (mich und das Kleinkind) mit Eierschale zu bewerfen. Das Kleinkind findet’s knorke. Ich nicht so. Beende das hier. Großkind wird zum Spielen geschickt, Kleinkind isstmatscht noch weiter Salzjoghurt. Als ein Ninja in Reichweite kommt, muss er das auch. Wer mit Eierschalen wirft… 

Während ich beginne, unter dem Hochstuhl Essensreste zu sammeln, wirft mir das Kleinkind Marmeladenbrotstückchen in die Haare. Dafür eignen sie sich optimal. Kleinkind findet das knorke, ich nicht so. Beende das hier, setze das Kind unter den Tisch. Es isst. Loben wegen der Selbständigkeit…

Hole mir den lauwarmen Kaffee. Trinke ihn ganz langsam und in Ruhe, bis er richtig kalt ist. Hunger hab ich irgendwie gar nicht.

Essen zwischen Kindern

Das Viech und das Jetzt

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Das Viech und das Jetzt

Immer wieder tappe ich in die Falle. Die Selbstwichtigfalle. Gemeines Viech, das Viech. Und dann wird es meist wenig schmeichelhaft. Also, für mich. Wenn ich es bemerke, hinterher.

Das geht dann nämlich so: Ich plustere mich auf, ungerecht, stelle mich über die Dinge. Und die anderen. Die öh…Menschen. 

Und dann dreht sich die Welt weiter und das Viech zieht von dannen und alles relativiert sich. Der Blick verschiebt sich, die Perspektive, der Fokus. 

Die Menschen, nicht mehr von oben betrachtet, werden greifbar, fühlbar und plötzlich verstehe ich: Alles ist gleich, nichts ist wichtiger. Jedes Gefühl passiert JETZT. Und darum ist es genau jetzt da, für jeden anders und doch groß. DA. Alles gleich. Jeder ist jetzt.

*Hobbyphilosophie off*

Geputztes Herz

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Geputztes Herz

„Mama, ich bin gerade richtig wach!“

„Äh, das ist – gut!“

„Ja. So als ob ich morgens aufgewacht bin aber die ganze Morgenmüdigkeit schon weg ist. Und innen drin bin ich blitzeblank geputzt.“

So sagte es mir mein Sechsjähriger am vergangenen Dienstag, nachdem wir mit seiner kleinen Schwester aus dem Krankenhaus  wieder nach Hause gekommen waren. Es ist erstaunlich, wie treffend  dieser kleine Kerl damit das Gefühl beschreibt, das mich seitdem begleitet. 

Und noch etwas puckert nach drei Tagen auf der Kinderkardiologie mal wieder eindringlich: Die alte Erkenntnis, dass Gesundheit kein Verdienst und noch weniger eine Selbstverständlichkeit ist. Seid dankbar und demütig und niemals leichtfertig mit den Geschenken, die das Leben macht!

Kleine Pupse ernstgenommen

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Kind Nr.1 ist ein großer Fan der „Sendung mit der Maus“. Ich auch. Ernsthaft. Ich finde es großartig, wie kleine und große Sachverhalte kindgerecht, mit viel Liebe zum Detail und immer mit großem Respekt vor Thema und Adressaten aufgedröselt werden. 

Und nun! Nun gibt es den absoluten Lieblingsfilm meines Sohnes, den auch ich unschlagbar finde und darum hiermit für die Vergrößerung der Reichweite sorge: Man googele „Pups im Winter“ und lasse die Sendung beginnen. Viel Spaß!

Abgekämpft 

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Abgekämpft 

Manchmal ist die Haut zu dünn. Kleine Nadelstiche werden zu großen Rissen und alle Kraft rinnt davon. Blöd, wenn dies genau dann so ist, wenn die Welt sich viel zu schnell dreht.

Heute war ich beim KJGD, einen I-Status auf die Kinder stempeln lassen. Hilfreich wird es sein. Zeit verschaffen und die nötige Ruhe, den kleinen Menschen aufmerksam zu begegnen. Ich weiß das. Und doch, es sticht, es piekt, die ein oder andere Träne begleitet das Vertrauen, das alles gut wird. Und die Angst, wieviel Kraft das wohl kosten wird. 

Heute ist der Tag der dünnen Haut. Nun heißt es atmen, anhalten, hinsehen. Sie lachen, sie toben, sie sind. Ganz wunderbar. Es ist nur ein Moment, schon wieder vergangen um ein neuer zu werden. Einfach so. 

Der Ein-Euro-Unterschied

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Der Ein-Euro-Unterschied

Wir stehen an der Kasse eines Indoor-Spielplatzes. Die Preisaushänge lassen uns schlucken, naja, wird sich schon lohnen. Wir kategorisieren uns also ein. Und dann bleibe ich mit den Augen an der Tabelle hängen. Da steht: „Kinder unter 3 Jahre 5,50 €“, und direkt darunter: „Behinderte Kinder 4,50 €.“

Sorry, I don’t get it… Aber dieser eine Euro, der hier den Unterschied machen soll, ärgert mich. „Ha!“, ruft es in mir,“der Spaß meiner Tochter ist also einen Euro weniger wert als der der ganzen Babies und Kleinstkinder hier?“ Ja, ich weiß, darum geht es nicht… trotzdem motzt die Stimme in mir weiter: „Und wenn wir jetzt 5,50€ bezahlen, darf sie dann mehr Spaß haben? Und wenn sie nicht behindert genug ist und all die Spielgeräte benutzen kann, die für die Kinder unter drei nicht geeignet sind, weil sie noch zu klein sind? Muss sie dann drauf zahlen? Und was ist mit behinderten Kindern unter 3, kriegen die einen Doppelrabatt?“

Ja, verdammt! Ich fühle mich auf den Schlips getreten. Ja, ich fühle mich veräppelt. Und sorry, ich bin vielleicht auch nicht politisch korrekt, denn generell finde ich Vergünstigungen und Nachteilsausgleiche für Menschen mit Behinderung gut und richtig. Aber bin ich die einzige, die sich da viele unfreundliche Fragen stellt?

Definiere „Unendlich“

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Definiere „Unendlich“

Kind Nr.1: „Mama, wenn die Sonne erlischt, können die Menschen nicht mehr leben. Aber das wird erst in ganz vielen Milliarden Jahren sein.“

Ich: „Ein Glück, da möchte ich nicht gern dabei sein.“

Kind Nr.1, sichtlich erstaunt: „Warum? Vielleicht geht dann wieder alles von vorne los?“

Ich: „Wie von vorne?“

Kind Nr.1: „Vielleicht entsteht dann eine neue Sonne. Und dann entsteht hier wieder Leben. Und auch die Dinos. Und irgendwann auch wieder wir, genau wie jetzt.“

Himmlischer Spuckemix

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Kind Nr. 1 bekommt neuerdings Spucke-Allüren. Ich darf nicht aus demselben Glas trinken, nichts von meinem auf seinen Teller legen und biete ich ihm einen von mir angebissenen Apfel an, wird das mit angewidertem Blick und einem „Bäh Mama, da sind doch Deine ganzen Bakterien dran“ quittiert. 

Umso erstaunter war ich, als er gestern ohne mit der Wimper zu zucken einträchtig mit seiner kleinen Schwester (die eindeutig mehr sabbert als ich!) seine Trinkflasche teilte.

Darauf angesprochen erklärte er mir die Begebenheit wie folgt: „Ach Mama. Kind Nr. 2 und ich kennen uns schon so lange, bei uns ist doch eh immer alles gleich. Wir waren zusammen im Himmel, in derselben Himmelskita und derselben Himmelsschule. Und dann habe ich als erster Deinen Bauch von innen gesehen und nun sie. Wir sind also genau gleich, da können wir auch aus meiner Flasche trinken.“

Pfffff… Als ob ich diese himmlischen Einrichtungen nicht schon Jahre vor dem Grünschnabel durchlaufen hätte. Aber bis er darauf kommt, lecke ich meine Süßigkeiten alle an.