Archiv des Autors: katze1810

Mitten auf die Zwölf

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Eigentlich ist alles gut. Und dann kommt unsere Ärztin. Unsere mit den Jahren geprüfte und für gut befundene Kinderärztin. Unaufgeregt in Bezug auf Kind Nr. 2, ein Gegenpol zum hibbeligen Aktionismus der Klinik. Unsere medizinische Erdung. Die bei der U6 ohne mit der Wimper zu zucken ‚altersgemäß entwickelt‘ angekreuzt hat. Mit der Bemerkung: „Wir müssen ja nicht auch noch die Pferde scheu machen.“

Und dann kommt sie also. UNSERE  Ärztin und sagt: „Jetzt ist ein MRT noch nicht wichtig. Aber wenn es in einigen Jahren kognitiv so richtig losgeht, dann können Sie die klinische Anbindung sicher brauchen.“

Sagt sie, so nebenbei. Und ich, bis dahin auf so unbeschwerten Bahnen  kreisend, stürze ab. Vollkommen unerwartet und lande krachend auf dem Erdboden. 

Manchmal erwischts einen. Mitten auf die Zwölf. 

Unendliches Glatteis

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Unendliches Glatteis

Es gibt sie immer öfter, diese wunderschönen und wahnsinnigen Gespräche mit Kind Nr. 1, an deren Ende ich einen Knoten im Hirn habe und mich unendlich unwissend fühle. So geschehen gestern…

„Mama, im Radio haben sie gesagt, dass Frauen älter werden als Männer. Warum ist das so? “

Ich bin es mittlerweile gewohnt, bei jeder dritten Frage vom Junior das www oder wahlweise seriöses Wissen auf Papier zu Rate zu ziehen. Nicht, weil ich so unterdurchschnittlich viel weiß (naja, denke ich jedenfalls…) oder aber pedantisch wäre. Aber ich kenne meinen Sohn und weiß, dass sich jede kleinste Fehlauskunft rächen könnte. Kind Nr. 1 merkt sich die abgefahrensten Dinge über Ewigkeiten und schmiert sie mir dann irgendwann unvermittelt aufs Butterbrot. Da will ich sicher gehen. Nur so äh, zur Sicherheit.

Zurück zu den alternden Damen – und ich ohne Papier und ohne Internet. Auweiamist. Blank und ohne Sicherheitsnetz geht’s also ab aufs Glatteis, auf dem ich verzweifelt versuche, eine einigermaßen gute Figur abzugeben. Dabei muss ich zu meiner Verteidigung sagen, dass das Baby quengelig und müde war und wirklich keine Lust auf Fragestunde hatte…

Ich versuche mich also kurz zu sammeln, um eine vernünftige Antwort zu präsentieren. Dabei schießen mir verschiedene Gedanken durch den Kopf: Männer besetzen häufig immer noch die höher dotierten Jobs, die dann vielleicht auch mehr Stress bedeuten – leben sie also ungesünder? Das scheint mir dann doch sehr pauschal, außerdem lauert hinter der nächsten Ecke die ganze Gender-Debatte – das wäre ja uferlos!!

Ein neuer brauchbarer Gedanke muss also her… Ha! Hormone! Testosteron führt ja wohl in dem ein oder anderen Fall zu einer höheren Risikobereitschaft (sagt man doch so)….hm, ist da nicht schon wieder die Gender-Sache im Busch? Nicht mit nörgelndem Baby! Also weiter überlegen…

Stichwort Menstruation… okay, da ist jetzt erstmal das Gender-Ding etwas weiter weg. Aber stimmt das? Ist das quasi sooo selbstreinigend, dass es uns ein mehrere Jahre längeres Leben schenkt? Und will ich darüber jetzt mit Junior fachsimpeln?

„MAMA!!!“

Njoaaaaa, okay, also, dann eben Menstruation. Ich werfe meine These unter dem Stichwort „Nicht wissen nur glauben“ in den Ring. Noch bevor ich überlegen kann, ob ich mein Kind mit dieser halbgaren Theorie in die Welt entlassen kann, kommt schon die nächste Frage: „Aber so alte Frauen haben das doch gar nicht mehr!“ (Woher weiß er das???)

„Ja, das stimmt. Aber für viele Jahre haben sie es trotzdem.“

„Und dann?“

„Dann sind die Eizellen alle.“

„Und warum werden denn die Eizellen nicht immer befruchtet?“ 

Gnaaaaaa… Ich ahne langsam, dass das mit der Gender-Debatte vielleicht doch die leichtere Variante geworden wäre…

„Weil es nicht immer eine Samenzelle gibt, die das Ei befruchtet.“ 

„Und warum nicht?“

„Naja, Du weißt doch, dass Mann und Frau ganz doll kuscheln müssen, damit das passiert?“

Hab  ich das wirklich gesagt? Glücklicherweise ist Junior (Dank meiner gelungenen Hühneraufklärung?) wesentlich abgeklärter als ich:

„Also eigentlich muss der Penis in die Scheide!“

„Äh, ja, genau.“ 

„Und warum bekommen die Menschen dann nur so wenig Kinder, Mama?“

„Hm…“ 

Echt jetzt.  Wir machen das gründlich. Also erzähle ich von den Industrienationen, wo es viel Geld aber wenig Zeit gibt und von ärmeren Ländern, wo es viel Zeit aber wenig Geld gibt. Und von wieder anderen, wo Kinder Wohlstand oder Altersvorsorge bedeuten. Und irgendwann landen wir dann bei Kinderarmut, bei Kupfer sammelnden Jungs und bei Verhütung…

„Wie bekommt man keine Kinder, Mama?“

Himmel, er ist doch erst 5! Gut, dann das auch noch. Ich erzähle also von  Kondomen („Aber das tut doch weh, Mama!“  – „Nein, so fest ist das nicht am Pullermann!“) und von der Pille („Was macht die denn genau im Körper, Mama?“) und von Religionen, die Verhütung ablehnen (Ja, ich gebe zu, manchmal übertreibe ich auch…). 

Schließlich ist Junior ruhig. Er denkt, legt sich aufs Trampolin und guckt hoch in das Buchenblätterdach.

Das Baby ist halbwegs an der Brust eingeschlafen und ich, müde wie nach einem Marathon, werde das Gefühl nicht los, dass mich die Gender-Debatte aus der Ferne triumphierend ausgrinst…

Namenlose Unbekannte 

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Ein MRT stand an. Für Kind Nr. 2. Von langer Hand geplant. Endlich genau wissen, was in ihrem Kopf los ist. Denn nach dem Ultraschall nach der Geburt gab es nur noch Mutmaßungen.

Wir schauen sie an. Sie entwickelt sich toll. Sie macht immer weiter, hat so viel Spaß am Leben. An sich, an uns, an ihrem Bruder. Und trotzdem immer wieder Termine für sie. Augen checken, Ohren checken, Herz checken, Haut checken, Motorik, Sprache, Verhalten checken…Check.

Nun das MRT. Ohne Not. Nur, um zu wissen. Warum eigentlich? Was eigentlich? Das fragten wir uns ernsthaft. Es gibt keinerlei medizinische Indikation. Nur die Neugierde. Die der Ärzte und unsere. Doch der Erkenntnisgewinn hält sich in Grenzen. Nur ein „Da ist etwas…“ wurde uns angekündigt, kein „Das bedeutet…“ Keine besseren Therapien, keine genaueren Prognosen. Nur Ungewissheit mit einem Namen.

Wir haben es abgesagt. Wir nennen unsere Ungewissheit einfach weiterhin Ungewissheit.

Mit Gottes Segen…

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Am vergangenen Wochenende wurden beide Kinder getauft. Nach dem Gottesdienst machte sich Kind Nr. 1 in einem unbeobachteten Moment mit seinem Kitakumpel im angrenzenden Park selbständig. Ungefragt. 

Nun ja, nachdem beide Kinder wieder eingefangen waren, wollte der Mann ihn immerhin kurz zur Rede stellen: „Schatz, wir haben Dich gerade alle gesucht, Du kannst doch nicht einfach weggehen ohne uns Bescheid zu sagen!“

Kind Nr. 1: „Aber Papa, Gott ist doch jetzt bei mir!“

Halleluja!

Eier mal anders

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Kind Nr.1: „Mama, warum bemalt man eigentlich Eier zu Ostern?“

Ich: „Hm, Ostern feiert man ja die Auferstehung von Jesus. Und das Ei ist ein Symbol für neues Leben. Das will man dann an Ostern wohl einfach noch etwas hübscher machen.“

Kind Nr. 1: „Hm, dann könnte man dafür doch auch Gebärmütter nehmen, oder?“

Der Mann blickt verwirrt. Ich pruste los, vor meinem inneren Auge tanzen Hyazinthensträusse mit lauter kleinen Gebärmüttern behängt.

Kind Nr.1 fühlt sich nicht ernst genommen. Unwirsch: „Natürlich aus Plastik, Mama. Mit kleinen Babys drin.“

Ich, bemüht: „Ja Schatz. Das könnte man theoretisch.“

Kind Nr.1: „Mama, dann machen wir das nächstes Jahr so.“

Nächstes Jahr ist er ein Jahr älter, vielleicht kommen wir dann irgendwie um die Sache herum…

Oh…Entsch…Na, dann setze ich mich mal

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Oh…Entsch…Na, dann setze ich mich mal

Auf dem Weg nach Hause in eine Kirche geguckt. Wohne schon lange daneben, wollte das längst tun. Lande mitten in der abendlichen Kurzandacht. Lerne, dass es abendliche Kurzandachten gibt. 

Eine Dame auf Krücken liest aus der Bibel. Ein älterer Herr sitzt in der vierten Reihe und hört ihr zu. Und jetzt bin ich auch da. Drücke mich in die letzte Reihe. Gehen ist keine Option. 

Sie sagt: „Jetzt möchte ich mit Ihnen singen.“ Der Stapel Gesangbücher hinter mir verbietet mir zu schweigen. Also singen wir. Sie, er und ich. Ohne Orgel, zu dritt in der Kirche. Dann beten wir stehend das Vater Unser und sie spricht einen Segen. Dann ist es vorbei. Er geht an mir vorbei, grüßt leise, sie sitzt noch vorne. Ich bedanke mich noch und stehe schon wieder im Park. 

Ich wurde von Spiritualität überfallen.

Mit offenem Visier

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Eigentlich mag ich keine Handlungsempfehlungen. Keine vermeintlich klugen Ratschläge, kein „Du solltest…“ oder „Ich an Deiner Stelle…“, zumindest nicht, wenn es um den Umgang mit Gefühlen geht. Es sei denn, es wird ausdrücklich eingefordert. 

So, und trotzdem will ich in diesem Beitrag eine Lanze brechen, Erfahrungen teilen….öh, einen Tipp geben?!? Naja, manchmal muss man seine Dos & Don’ts wohl etwas flexibler auslegen. Räusper.

Aber zur Sache. Als wir in der Schwangerschaft erfahren haben, dass bei Kind Nr.2 Auffälligkeiten vorliegen, ist erst einmal eine Welt zusammen gebrochen. Zunächst haben wir nur untereinander darüber gesprochen und als wir uns bereit fühlten, den Kreis auf die Familie und enge Freunde erweitert.

Groß war die Angst vor doofen Reaktionen, peinlichen Situationen und schmerzhaften Begegnungen. Doch im Laufe der Monate haben wir die Tür immer weiter geöffnet, Nachbarn davon erzählt, Menschen konfrontiert, die einfach mal nach dem Befinden des Kugelbauchs gefragt haben. Und irgendwann beschlossen, auch den Blog auf diese private Ebene zu erweitern.

Und hier nun das wunderbare Fazit und mein Appell: Ich kann mir gar nicht vorstellen, wo wir heute ohne all die großartigen Reaktionen und Menschen wären! Es gab viele, die spontan eigene Erfahrungen zu dem Thema berichteten, die bestärkende und verständnisvolle Worte übrig hatten, die uns Wege eröffneten oder sogar froh waren, dass endlich einmal jemand über „sowas“ berichtet. Und vor allem erhielten wir die Chance, durch viele Gespräche das Erlebte besser zu verarbeiten und in unserem neuen Sein anzukommen. 

Ganz besonders geholfen hat mir dabei die Reaktion einer tollen Frau, mit der ich vor viiielen Jahren die Schulbank drückte. Sie bat mich einfach darum, glücklich zu sein, wenn meine Kinder es sind, und dieMomente  mit Ihnen zu genießen, denn das Morgen kennt keiner. Danke dafür.

Und darum: Ja, es ist nicht Jedermannfraus Sache, über Intimes offen zu sprechen, es soll sogar Menschen geben, denen das gar nichts bringt. Wer aber aus Sorge vor blöden Reaktionen lieber nichts sagt und mit seinem Kummer alleine bleibt – bitte bitte, probiert es aus! Vielleicht erst ganz vorsichtig im kleinen Rahmen – ich glaube fest daran, dass Euer Gegenüber Euch überraschen wird!!!

Oder wie eine meiner liebsten Freundinnen zu sagen pflegt: „Visier runter, Leute!“

Sammelsache und Riesen-Rache

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Kind Nr.1 hat eine ausgeprägte Sammelleidenschaft. Wenn nicht, wie Ostern letztes Jahr passiert, ausgerechnet ein hartgekochtes Ei über Wochen in seiner Jackentasche lagert, stört es mich mittlerweile kaum noch. Der Mann allerdings hat irgendwie ein Thema am Laufen…

Der Mann zu Kind Nr.1: „Stell Dir vor, Du bist mit der Kita unterwegs. Du hast schon viel gesammelt, und dann liegen da noch eine alte Schraube und ein schöner Stein. In Deine Hand passt nur noch eine Sache. Welche würdest Du mitnehmen?“

Kind Nr.1 (unbekümmert): „Ach, ich würde etwas von einer in die andere Hand tun und dann beides mitnehmen, dann passt ja wieder  viel in meine Hand.“

Der Mann (lacht): „Nein, nein, das geht nicht. Du hast insgesamt nur noch Platz für eine Sache in Deinen Händen.“ 

Kind Nr.1 (verwundert): „Aber Papa, ich habe doch extra eine Sammeltasche in meiner Jacke, da kann ich ALLES rein tun, was ich finde.“ (Ja, stimmt…)

Der Mann (holt leise Luft): „Die ist auch schon voll, Du hast definitiv nur noch Platz für EINE Sache!“

Kind Nr.1 (in dem Ton, den er wohl aus unseren ernsthaften erzieherischen Interventionen kennt): „Papa. Ich habe doch schon auf Deine erste Frage geantwortet, und das gilt.“

Der Mann (stockt kurz): „Ja. Aber stell Dir mal vor, Du müsstest Dich entscheiden. Was nimmst Du, die rostige Schraube oder den schöööönen Stein?“ 

Kind Nr.1 (leicht genervt): „Nein Papa. So machen wir es nicht, das mit dem Entscheiden lassen wir. Ich bohre einfach die Schraube in den Stein, dann nimmt sie keinen Platz weg.“

Der Mann (Sieht er tatsächlich ein bisschen böse aus?): „Nein!!! K. (Erzieherin) ist mit Euch unterwegs und sie VERBIETET Dir, beides mitzunehmen!“

Kind Nr.1 (jetzt empört): „Papa! K. geht NIE mit uns auf den Spielplatz, sie ist doch bei den Eichhörnchen (andere Kitagruppe)!“

Der Mann ist mittlerweile zwischen belustigter und echter Verzweiflung und blickt etwas sehnsüchtig gen Tischkante.

Und das ist er, der Augenblick, in dem ich deutlich spüre: Endlich, nach drei Jahren des Darbens bietet sich hier nun meine Chance, mich für die Geschichte mit dem Riesen zu revanchieren. Und ich hole aus zum vernichtenden Schlag…

Ich: „Okay, dann stell Dir mal vor, Du hast in Deiner Tasche eine rostige Schraube und einen schönen Stein. Und jetzt musst Du sie in der Reihenfolge hinlegen, in der Du sie am liebsten magst.“

Kind Nr.1: „Ach so! Na, zuerst lege ich den Stein hin, dann ein Schneckenhaus, das auch noch da ist, und dann die rostige Schraube!“

Der Mann starrt mich an. Nicht freundlich. Ich grinse. 

Den. Ganzen. Restlichen. Tag.

Sind wir nicht alle ein bisschen…Überraschungspaket?

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Nach der Geburt von Kind Nr.2 beschäftigte uns neben all den Sorgen immer wieder die Frage, wie wir Kind Nr.1 etwas erklären können, von dem wir nicht wissen, was es ist?  Und ob das überhaupt notwendig wäre? 

Während der ersten Monate hatte ich große Angst davor, dass der Große traurig sein könnte, wenn seine Schwester nicht so ist wie andere Babies. Doch umso länger ich meine Kinder beobachtete und sehen konnte, wie sie als Geschwister zusammenwuchsen, desto klarer wurde mir, dass Kinder keine Erwartungen an ein Menschenleben haben. Es sind wir Erwachsenen, die hadern. Im Gegenteil,  Kind Nr.1 zeigte mir etwas so Wichtiges: Ganz selbstverständlich nahm er unser Baby so wie es war. Und freute sich unendlich.

Seit der Geburt hatte ich schon viel mit ihm darüber gesprochen, dass nicht alle Menschen sich gleich entwickeln. Dass nicht jeder Dinge wie Sprechen oder Laufen lernt oder eben einen ganz eigenen Weg einschlägt. Für Kind Nr. 1 alles kein großes Thema.  

Nach einigen Monaten wuchs ein blödes Gefühl in mir. Immerhin begleiteten uns die Sorgen um das Baby ständig und ich war sicher, dass auch Kind Nr.1 diese spürte. Es kam mir so vor, als ob sich in unseren Alltag eine Heimlichkeit geschlichen hatte, die allein durch das Ungreifbare bedrohlich war. Sie stand im Weg herum, spürbar und trotzdem unbesprochen.

Also beschlossen wir, mit ihm über unsere Geschichte zu sprechen. Nicht über all die gruseligen Ängste, aber doch über die Fakten. Leider haperte es genau an diesen, gab es schlicht wenig, das wir ihm hätten sagen können, ohne Diagnose, ohne Prognose. Auch hier hatte ich wieder die Sorge, ob Kind Nr.1 damit umgehen könnte. Und wieder belehrte mich der damals Vierjährige eines Besseren.

In einer ruhigen Minute erzählte ich ihm von den Untersuchungen in der Schwangerschaft, und dass die Ärzte herausgefunden hatten, dass im Kopf von Kind Nr.2 einige Dinge anders gewachsen sind, als bei vielen anderen. Und dass wir deswegen nun eine Art „Überraschungspaket“ bekommen hätten, das sich vielleicht von anderen Babies etwas unterscheidet. Und dass wir darum oft bei Ärzten seien, die genau wissen wollten, was seine Babyschwester denn nun alles so könnte. 

Kind Nr.1 nahm die Botschaft gelassen, stellte einige Fragen darüber, wie die Ärzte das denn sehen könnten, zählte dann stolz auf, was Babyschwester schon alles kann und schloss mit stolzem Blick: „Mama, ich bin aber auch ein Überraschungspaket.“ 

Wie Recht er hat. Und wieviel man von diesen kleinen Menschen lernen kann.