War es das alles wert?

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Ich frage mich oft, ob die Entscheidung für die Feindiagnostik richtig war. Wofür es bislang gut gewesen sein könnte. Ob ich lieber ohne Sorgen gestartet wäre, um dann vielleicht irgendwann zu bemerken, dass unser Kind Dinge anders macht als andere. Oder nicht. Noch kann ich diese Fragen nicht beantworten. Und wahrscheinlich ist es auch egal, da sich unser Weg ohnehin nicht mehr ändern lässt. Ich habe einiges gewonnen, an Bewusstsein, Einblicken in eine unbekannte Welt und bin über alles, was Kind Nr. 2 tut, unendlich glücklich. Verloren habe ich vor allem an Unbeschwertheit und an Vertrauen in mich und mein Kind – aber mit der Zeit wird das sicher wieder wachsen. Und ja, ich bin auch neidisch. Auf andere, bei denen alles reibungslos verlaufen ist.

Ja, ich weiß, wir haben bislang viel viel Glück gehabt. Dafür bin ich dankbar. Nicht unser Kind ist beeinträchtigt, sondern wir sind es. Ich bin es. Ich zweifle grundlegende Glaubenssätze an, die mich bislang begleitet haben und kämpfe immer wieder gegen die anstrengende Symptombrille und für mehr Leichtigkeit. Und dann immer wieder die Einsicht: Wer weiß schon, was morgen ist, niemand hat eine Garantie auf Glück, Gesundheit oder das, was man weitläufig darunter versteht. Daran ändert auch die Wissenschaft nichts.

Feindiagnostik – Fehlersuche beim Baby

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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  1. Das Gefühl, neidisch zu sein auf die Anderen, bei denen alles gut gelaufen ist, kenne ich. Ich gönne ihnen ihr Glück, aber es gibt einfach Hürden im Leben, auf die ich gerne hätte verzichten können. Was die Feindiagnostik angeht – Du hast ja gelesen, wie es uns im Kreißsaal den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Es gibt da denke ich keinen richtigen Weg. Es ist nicht einfach, aber zum Glück hilft uns die Liebe zu unseren Kindern dabei, immer einmal mehr aufzustehen als wir hinfallen. Und: Eigentlich bin ja nicht ich der Leidtragende, mein Sohn ist derjenige, der die Bürde seines Andersseins ein Leben lang mit sich herumtragen muss.

    • Ja, diesen Moment des „Bodenwegziegens“ erleben, glaube ich, alle, deren Kinder anders als erwartet auf die Welt kommen. Manchmal früher, manchmal später, es ist einfach erstmal nicht das, was man sich gewünscht und vorgestellt hatte. Klar, ich missgönne niemandem das Glück, ein gesundes Kind zu haben, das ist es nicht. Es war schlicht das, was ich auch wollte. Und ich finde es nicht immer leicht, die eigenen Wünsche/Bedürfnisse und das, was tatsächlich für meine Tochter gut wäre, auseinanderzuhalten. Ja, es ist ihr Weg und meine/unsere Aufgabe, sie dabei zu begleiten und zu unterstützen. Aber wie mit jedem anderen Kind auch ist die Grenze zwischen “ das willst Du und das will ich“, eigenen Hemmungen, vielleicht auch einmal das Bedürfnis des Kindes durchzusetzen, obwohl man selbst es nicht für unbedingt wichtig hält und umgekehrt, manchmal schwer auszuloten. Darum ist es umso wichtiger, eigene Wünsche zu sehen und einzuordnen-und ggfs. sich zu verabschieden und „trauern“ zu dürfen. Nicht um das Kind, das da und perfekt ist, sondern um die Vorstellung, die nicht wahr geworden ist.

  2. Was für eine schrecklich-grausame Geschichte! Ich wünsche eurer Maus Nr. 2, dass sie es eines Tages schafft aus dem Schatten dieser vermeintlichen Diagnostik zu treten und es schafft einfach so gesund sein zu können, wie sie es warscheinlich ist. Ein Leben mit so einem Stempel ist vermutlich wie ein Leben mit angezogener Handbremse. Vom wem wenig erwartet wird, der muss wenig leisten um zufrieden zu stellen und zu überraschen. Glaube an alles und glaube vor allem an dein Kind. Sie ist ganz bestimmt großartig!!

    • Vielen Dank!ja, das mit der angezogenen Handbremse trifft es ziemlich gut.aber dass sie so unheimlich fröhlich ist, hilft uns auch oft sehr dabei, optimistisch zu sein – und ich denke, jeder schritt beim kennenlernen macht es leichter, die vorgefertigten Schablonen zu vergessen. Alles liebe für dich und deine vier!

  3. Pingback: Leinen los – Feindiagnostik 3 | OhneSchlaf.MitKind.

  4. Pingback: Wer suchet, der findet | OhneSchlaf.MitKind.

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