Leinen los – Feindiagnostik 3

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Erster Teil

Zweiter Teil

Beim dritten Termin schien zunächst alles super zu laufen. Die Gyrierung war weiter fortgeschritten, unserer Ärztin zwar noch etwas zu zaghaft, aber gut, das kannten wir mittlerweile schon. Einen weiteren Kontrolltermin wollten wir nicht mehr, die Ärztin ging davon aus, dass das Kind nach der Geburt lebensfähig sein würde und mehr wollten wir erst einmal nicht wissen. Fast schon beschwingt verließen wir die Praxis. Unser Kind machte die Dinge einfach in seinem Tempo, so unser Mantra, darf es ja auch. Das war ein Mittwoch.

Am Samstag klingelte das Telefon. Mittags. Mein Freund machte gerade Essen in der Küche für den Großen. Es war die Ärztin. Sie sei nun noch einmal in die Praxis gefahren, die Bilder des Gehirns unseres Babys hätten ihr keine Ruhe gelassen. (Dafür uns zum ersten Mal ein wenig.) Und nun sei sie doch sicher, im Bereich der Insula sei die Gyrierung nicht nur zaghaft sondern verändert. Pathologisch. Es bestehe kein Zweifel. Sie würde uns zum MRT raten.

Bäng. Nicht mehr und nicht weniger. Nur das. Ich brach mal wieder innerlich zusammen und Kind Nr. 1 malte voller Vorfreude ein Bild. Mama rechts, daneben Kind Nr.1 mit seinem Geschwisterchen an der Hand, Papa links. Ich hängte es neben unser Bett.

Am Montag riefen wir nochmals in der Praxis an und baten um einen Gesprächstermin. Wir hatten viele Fragen dabei. Wohin sollten wir uns nach der Geburt wenden? Wie wahrscheinlich wäre eine Epilepsie? Müssten wir mit Komplikationen im Krankenhaus oder bei der Geburt rechnen? Wäre eine Entbindung im Geburtshaus, wie bis dahin geplant, zu verantworten? Kaum eine Frage konnte abschließend beantwortet werden. Der veränderte Bereich im Gehirn unseres Babys wäre möglicherweise repräsentativ für weitere Arreale, die so per Ultraschall nicht zu sehen seien. Wir sollten einfach davon ausgehen, dass es irgendwann im Laufe der Entwicklung zu Verzögerungen kommen würde. Laufen? Sprechen? Wann, wo, wie gravierend, könne niemand sagen. Auch ein MRT könnte kaum genaue Auskunft geben – höchstens darüber, ob große Teile des Gehirns betroffen seien. Aber wofür wir das wissen müssten? Damit es eine Diagnose gäbe. Aha. Wir verzichteten.

Nach diesem Termin brauchten wir ein paar Tage, um wieder in den Alltag zu finden. Mein Freund nahm sich frei, weil ich Angst hatte, alleine zu Hause verrückt zu werden. Dann ging es weiter, dank Kind Nr.1. Ich traf ein paar Entscheidungen. Wir suchten eine Beleghebamme für das hiesige Krankenhaus mit Kinderintensiv. Wir vereinbarten einen Termin im SPZ (Sozialpädiatrisches Zentrum) für nach der Geburt. Wir trafen uns mit der Oberärztin der Neonatologie des Krankenhauses. Alles, was meine Energien bis dahin gebunden hatte, känzelte ich, ich wollte keine Verpflichtungen und nur noch Ruhe für mich und mein Baby. Wenigstens für ein paar Wochen.

Die Stimmung verbesserte sich, es gab erst einmal keine bedrohlichen Termine am Horizont und schließlich gelang es uns tatsächlich, uns wieder zu freuen. Unterschwellig blieb die Angst. Um das Baby, um Kind Nr. 1, um den Start. Was, wenn es gleich heftig zur Sache gehen sollte? Wenn wir lange im Krankenhaus bleiben müssten? Und immer wieder lange Aufenthalte drohen würden? Was sollten wir Kind Nr. 1 sagen? Was der Verwandtschaft? Schließlich wussten wir nichts und doch zu viel. Und trotzdem, umso näher der Geburtstermin rückte, umso mehr begann ich mich zu freuen.

Unser Baby kommt

War es das alles wert?

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