Kita – Sidekicks

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Kita. Erste Kindergeburtstagseinladung. Zwischen Freude und Stolz, dass das eigene Kind eingeladen ist, mischt sich ein mulmiges Gefühl. Vielleicht habe ich eine Vorahnung? Ist dies der Beginn einer Ära vieler furchtbar langer Nachmittage, an denen ich meine Zeit bei Käffchen, Mutti-Talk und Langeweile totschlage? Ich murmele mein Mantra, als ich im Laufschritt von der Arbeit in die Kita hetze, um ja nicht zu spät zu sein: „Das wird nett! Das wird spannend! Das wird nett! Das wird…“. Wenigstens Tim hat gute Laune. Während er am Vortag noch voller Überzeugung war, morgen bestimmt keine Zeit für Laras Geburtstag zu haben, scheint er heute milde gestimmt.

Wir klingeln. Eine Viertelstunde zu spät. Wir sind die ersten. Die ersten noch vor dem Geburtstagskind. Scheiße… Das Kindermädchen holt es gerade aus der Kita, so der etwas hilflos wirkende Geburtstagskindvater. „Isa macht gerade noch einen Job“ (gesprochen „Dschoooob“, mit Kaugummieffekt), „Du weißt ja sicher, sie ist Sprecherin, wir haben hier so’n kleines Studio“, weltmännisches Lachen folgt. „Ah, nee, wusste ich nicht.“ Ich blicke aus dem Penthouse-Terassenfenster hinein in die Penthouse-Berlin-Skyline. Drinnen ist alles weiß, bis auf die Glitzerdeko. In mir ist es auch weiß, leer und weiß, ohne Glitzerdeko. Tim freut sich über einen Spiel-Schulbus mit Sound. Ich wünsche mir Kaffee, viel davon. Bekomme Wasser. Auch gut. Dann kommt Isa, der Dschoooob ist nun fertig. Sie kichert, ist natürlich furchtbar gestresst, Arbeit und dann noch die Party. Wie sie nur auf so eine Idee kommen konnte. Kichern. Ganz ehrlich, wenn ich gestresst bin, sehe ich anders aus. Aber das ist vielleicht auch Neid. Isa ist übrigens unsere Elternsprecherin, erwähnt sie beiläufig. Sie schafft das aber nur, weil die zweite Elternsprecherin so unglaublich organisiert ist. Obwohl, das ist sie natürlich auch. Sie hat einfach nur so unglaublich viel zu tun. Sie ist eben der nette „Sidekick“. Is klar.

Ich versuche, weniger angepisst und mehr freundlich zu sein. Isa erzählt von ihrem Abi-Kumpel, der gerade Berlins erfolgreichste Sushi-Kette in Frankfurt an den Start bringt. Sie ist ja ganz Sushi-verrückt. Kichern, effektvolles Augenrollen. Mhm. Ich frage, ob sie mal ein Taschentuch hat, ich bin verrotzt ohne Ende. Die Unterhaltung stockt. Es klingelt. Endlich kommen Kindermädchen und Geburtstagskind. Die Prinzessin darf auspacken. Es kommen noch ein paar Gäste, ich bekomme Tee.

Die Kinder spielen mittlerweile eine Etage tiefer. Im kleinsten Zimmer, dem Kinderzimmer. Unter Aufsicht des Kindermädchens. Immer wieder kommen sie zu uns ins Wohnzimmer. Isa stöhnt dann theatralisch, bevor sie bittet: „Kids, geht doch nach unten, ich habe sooooolche Ohrenschmerzen“ – während sie uns Erwachsenen verschworen zuzwinkert. Als ich eigentlich gehen möchte, kommen die Würstchen in den Topf und der Prosecco auf den Tisch. Den braucht Isa jetzt. Ich eigentlich auch. Ich lehne ab. Als Einzige. Ich ernte: „Hach Gott, was Du jetzt wohl von mir denkst!? Normalerweise bin ich ganz lieb und nett.“ Ich nieße und sage: „Tu Dir keinen Zwang an, ich hätte heute mittag gern auch schon ein Bier getrunken. Leider bin ich krank.“

Mein Mantra ist nun anders. Es geht: „Alles lauter Sidekicks, alles lauter Sidekicks..:“

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  1. Ach je, das klingt nun wirklich nicht nach einem netten Nachmittag! Ich wünsche dir, dass dein nächster Kindergeburtstag viel besser wird – mit guter Unterhaltung :-). Denn es gibt auch angenehme Kindergeburtstage.
    LG
    Petra

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