Gehört werden… oder so ähnlich

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„Tim, ich möchte Dir einmal etwas erzählen.“ Will ich etwas Wichtiges loswerden, beginne ich gerne so. Mein Sohn blickt aufmerksam zu mir und nickt wie zur Ermutigung, endlich loszuschießen. „Also“, hole ich tief Luft, „wenn ich dich abends ins Bett bringe, dann lege ich mich zwar erst zu dir, aber dann stehe ich noch einmal auf.“ Zugegeben, der Einstieg ist etwas holprig. Tim quittiert dies umgehend mit merklich abnehmendem Interesse, was auf meiner Seite wiederum zu noch mehr verbalen Verkomplizierungen führt. Ich lasse mich aber nicht beirren und rede weiter. Tim hat sich mittlerweile eine Tesarolle geschnappt und zieht konzentriert einen immer länger werdenden Klebestreifen ab, in welchem er sich anschließend verheddert. Als ich an der Stelle ankomme, an der große Leute eben weniger Schlaf brauchen als kleine, hat Tim sich wieder befreit und hält sich die Klebeschlange zwischen die Beine. Da ich jetzt auch schon am Ende meiner Ausführungen bin, schließe ich erwartungsfroh mit: „Hast du verstanden, was ich erzählt habe?“ Tim grinst mich verständnisvoll an – innerlich feiere ich schon den geglückten Erziehungsversuch und bin sehr stolz auf die Einsichtsfähigkeit meines Kindes – und sagt: „Guck mal, Mama, ein Klebepullermann!“.

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