Schummeln erlaubt!

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„Ich habe eine Tonne mit Hütchen! Ich habe eine Tonne mit Hütchen! Ich habe eine Tonne mit Hütchen!! ICH HABE EINE TONNE MIT HÜTCHEN!“ Hatte ich schon einmal erwähnt, dass kleine Kinder auf Wiederholungen stehen? Falls nicht: Kleine Kinder stehen auf Wiederholungen. Das ist nicht schlimm. Das ist nicht schlimm. Das ist nicht schlimm. Aber das wollte ich gar nicht erzählen…

Es ist spät, sehr spät. Ich bin hundemüde. Tim ist wach, sehr wach und hat eine Tonne mit Hütchen. Eine Bauklotztonne, auf der ein Lego-Straßenhütchen steht. Wer hat das schon? Und wenn ich sie nicht gleich bewundernd würdige, wird er das klobige Ding auf das Sofa wuchten und so dicht wie möglich vor meine Nase hieven. Aus Liebe zu Letzterer lasse ich mich zu einem halb-begeisterten „Oh jaaaa, eine Tonne mit Hütchen“ bewegen. Tim lässt von mir ab und ich kann weiter vor mich hin sinnieren. Eigentlich ist es doch schön, wie sehr Tim sich für alles Mögliche begeistert. Er ist da (wie wohl die meisten Kinder) sehr pflegeleicht. Neuerdings reichen ihm sogar imaginäre Gegenstände für sein Spiel. Mittlerweile besitzt Tim etwa tausend imaginäre Autos, die er gerne zwischen zusammengepressten Daumen und Zeigefingern durch die Gegend trägt. Bislang hatte ich mir über diese ausgeprägte Fantasie noch keine Gedanken gemacht, andere Kinder haben sogar imaginäre Freunde, so what?

Allerdings hatte er seine Autos auch dabei, als wir neulich beim Bäcker waren. „Guck mal Mama, ich habe ein blaues und ein grünes Auto dabei!“ Unter den skeptischen Augen der Verkäuferin hält Tim mir die zusammengepressten Finger seiner beiden Hände entgegen. „Schön Schatz. Willst Du eine Brezel?“ „Ja“. Die aufmerksame Bäckereifachfrau greift nach der gewünschten Ware und reicht sie über den Tresen zu Tim herunter. Dieser macht den Mund weit auf – zum Abbeißen bereit. „Äh, Tim, nimm die Brezel doch bitte“, schalte ich mich ein. Aber Tim kann nicht. Er hat ja die beiden Autos noch in den Händen. Ich zögere kurz und schlage dann etwas leiser vor: „Steck doch eins von den beiden in deine Hosentasche, dann kannst Du die Brezel nehmen.“ Das gefällt ihm aber nicht, seine Hosentasche erscheint ihm wohl nicht als ausreichend sicherer Aufbewahrungsort. „Nein Mama, Du mal nehmen“, erwartungsvoll hält er mir seine unsichtbaren Autos hin. „Gut…“ Schnell greife ich zu und tue so, als ob ich alles in meine Tasche stecke. Tim wendet sich zufrieden der Verkäuferin zu, die den Vorgang etwas irritiert beobachtet hat. „Danteschön!“ strahlt er sie an, beißt in die Brezel und wendet sich im Rausgehen wieder an mich: „Mama, ich will meine Autos haben!“ Ich vermeide es, die Verkäuferin noch einmal anzusehen, als ich sie ihm aushändige und wir schnell den Laden verlassen.

Gerade überlege ich, ob ich Tim nicht doch einmal erklären müsste, dass er nicht WIRKLICH Autos in der Hand hält, da bleibt er vor einem Schaufenster stehen. „Mama, ich will den Ball haben!“, deutet er auf die Auslage. Es dauert nur den Bruchteil einer Sekunde, bis ich weiß, was ich zu tun habe. Ich sehe mich kurz nach unerwünschten Beobachtern um, hole einen unsichtbaren Ball aus dem Fenster und reiche ihn meinem Sohn. „Hier, bitte!“ Glücklich und zufrieden spazieren wir weiter. Es lebe die Imagination!!!

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