Ich ergebe mich!

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Mit kleinen Kindern die Wohnung zu teilen ist in meinen Augen nichts anderes als eine beeindruckende Lektion inpunkto bedingungsloser Akzeptanz. Wer zu viel hinterfragt oder diskutiert, gefährdet den Haussegen, so einfach ist das. Das beginnt schon morgens um sieben, wenn Tim vor der Dusche steht und dringend geklärt haben möchte, wer jetzt eigentlich den Pullermann und wer die Scheide hat, Oma oder Opa? Ich mag meine Schwiegereltern. Trotzdem hätte ich mir gewisse Detailfragen gerne erspart. Da unser Kind jedoch über eine erschreckende Hartnäckigkeit verfügt, beantworte ich geduldig alle Nachfragen und versuche innerlich einfach noch ein bisschen weiterzuschlafen. Ich verwickle mich auch nicht mehr in gut gemeinte Einwände, wenn mein Sohn nachts um drei lauthals nach seiner Zahnbürste verlangt, statt nach seinem Teddy, und dann – diese selig umklammernd – weiterschläft. Das Ergebnis zählt.

Oder nehmen wir neulich Abend: Die Kleinfamilie sitzt beim Abendbrot, als Tim plötzlich zielstrebig vom Hochstuhl klettert und die Tür unseres Eisschrankes öffnet. Selbiger ist ein Auslaufmodell, das uns regelmäßig hübsche, mit reichlich weißen Schneekristallen verklebte Fächer beschert. In gebückter Haltung steht Tim also vor besagten Fächern, streckt seine kleine Zunge weit heraus und presst sie genussvoll auf die hervorquellenden Eisblöcke. ‚Blöd wäre, wenn er festklebt‘, denke ich, freue mich aber über die geschenkten drei Minuten Ruhe. Tims Papa springt hingegen auf, um die Situation zu klären, wie ich meine. In Erwartung einer erbitterten Auseinandersetzung inklusive Trotzanfall wundere ich mich umso mehr, als ich vernehme: „Komm Schatz, ich haue Dir das Eis ab, dann kannst Du es am Tisch lutschen!“. Ehrfürchtig mustere ich meinen Mann, das hätte ich ihm nicht zugetraut.

Doch manchmal hat auch Tims Papa noch Probleme mit der allumfassenden Akzeptanz. Als er mich gestern nach dem Grund für das durchnasse Sofa fragte und ich ihm erklärte, dass Tim die Blumen gegossen hätte, entgegnete er doch tatsächlich: „Aber, das ist doch das Sofa…“

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