Entschuldigung, wenn ich stinke

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„Guten Tag! Ähm, dass mit dem Geruch, das bin ich. Tut mir leid, das lässt sich auch nicht abwaschen, es hängt nämlich in den Klamotten. Mein Sohn hat mich gerade vollgekotzt.“ Ich stehe in dem etwa 38 Grad warmen Kabuff des Autoverkäufers Herr Hübschwiese und halte ihm entschuldigend meine ausgestreckte Hand entgegen. „Frau T.! Ach…na sowas…“, bleibt er Profi, obwohl sein sommerlich überhitztes Minibüro maximal den Pups einer Fliege vertragen könnte. Er schüttelt meine Hand, als mir (etwas spät) in den Sinn kommt: „Ohhh, ich gehe die vielleicht auch noch einmal waschen, Entschuldigung…“. Peinlich berührt verdrücke ich mich auf die Kundentoilette, doch auch hektische Rubbelei mit knallblauer Flüssigseife vermag den stechend-säuerlichen Geruch, der von mir ausgeht, kaum zu übertünchen.

Auf dem Rückweg begegnet mir auf dem Flur Tims Oma, die ich zum Kinderhüten mitgenommen hatte. Sie läuft dem bis auf die Windel nackten Tim hinterher, um sie herum wuseln zwei Empfangsdamen, die begeistert säuseln: „Ach ja, Kind müsste man sein, da kann man bei dieser Hitze auch nackt herum laufen.“ Wenn die wüssten… Wieder im Büro drückt mir Herr Hübschwiese – ganz der Super-Verkäufer – den für mich bereit gehaltenen Blumenstrauß in die Hand: Immerhin lassen wir heute ein kleines Vermögen in diesem Autohaus, denn wir kaufen unser erstes eigenes Auto. Was für eine Freude. Den Strauß halte ich während der folgenden Verkaufsabwicklung immer schön nah unter meine Nase, denn dieser Gestank in Kombination mit der Hitze ist wirklich teuflisch. Wie Herr Hübschwiese das aushält, ist mir unbegreiflich. Doch der lächelt eisern weiter. Dann begleitet er mich galant zu unserer neuen Familienkutsche und scheut sich auch nicht, neben mich und die Blumen auf den Beifahrersitz zu klettern, um mir sämtliche Funktionen zu erklären. Erst als wir abfahren, sehe ich im Rückspiegel, wie er sich fahrig die oberen Knöpfe seines weißen Hemdes öffnet. Vielleicht sollte er selbiges auch mit dem Fenster seines Büros tun.

Auch hier mal wieder ein Text aus dem Sommer, ich komme den Jahreszeiten einfach nicht hinterher!

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  1. Ach wie herrlich! Sorry :-). Ist nur schön zu lesen, dass ich nicht die Einzige bin, die von ihrem Sohn vollgespuckt wird. Bevor ich raus gehe, zögere ich es oft bis zur letzten Minute hinaus, mir einen frischen Pulli anzuziehen, um mal „sauber“ aus dem Haus zu gehen. Ich ziehe meine Tochter an, dann meinen Kleinen und hebe ihn hoch, um aus der Türe zu gehen. Plötzlich ein Geräusch und feuchte Wärme auf meiner Schulter…

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