Mein Beckenboden und ich

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Heute morgen habe ich mit einer Freundin telefoniert, die kürzlich ihr erstes Baby bekommen hat. Sie wollte von mir wissen, ob ich nach Tims Geburt Rückbildungsgymnastik gemacht hätte, ob das notwendig gewesen wäre und ob mit meinem Beckenboden alles okay sei. „Ja“, „Naja“ und „Ja“, so ungefähr fielen meine Antworten aus. Aber dann sind mir einige Details aus meinem Kurs eingefallen, sodass ich meine zweite Antwort umgehend in ein vehementes „Unbedingt!!“ revidiert habe. Denn es gibt Dinge, die frau sich nicht entgehen lassen sollte. Aus meiner Erinnerungstruhe:

Sechs Frauen stehen im Hinterzimmer des Kiez-Kinderladens im Kreis. Alle haben ein mehr oder weniger großes Bündel Baby vor sich abgelegt und ein möglichst bequemes Wellness-Outfit übergeworfen. Nach einer kurzen Kennen-Lern-Runde („Ich bin Vera. Dies ist schon mein dritter Rückbildungskurs nach der Geburt von Jannis, aber ich habe die Verbindung zu meinem Beckenboden leider immer noch nicht wieder hergestellt“) geht es auch schon los.

Hebamme: „Wir atmen vom linken Sitzbeinhöcker hinauf in die rechte Schulter und umgekehrt.“
Ich zögere kurz und denke noch einmal über den Satz nach. Sitzbeinhöcker? Ist das Allgemeinwissen oder habe ich in den letzten Monaten nicht gut aufgepasst? Ich werfe einen prüfenden Blick auf die anderen. Alle gucken todernst und sind sehr konzentriert auf ihre Sitzbeinhöcker. Okay, also Pokerface und weitermachen. Ich atme dorthin, wo ich am ehesten ein Ding namens Sitzbeinhöcker vermute, bin dann unsicher, ob ich eher die Rippen seitlich hinauf oder mitten durch die Gedärme…ach egal, ich atme einfach extra laut, dann wirkt es professioneller.

Hebamme: “Und jetzt spannt den Beckenboden an und zieht die Scheide von unten nach innen oben.“ Ich gucke etwas außer Atem in die Runde. Kollektive Anspannung.  
Hebamme: „Oder weiß jemand nicht, wie sich das anfühlen soll“
Ich denke: „Klappe halten, Klappe halten, Klappe halten…“
Hebamme: „Also, steckt einmal den Daumen in den Mund und saugt daran.“
Sechs Frauen stehen im Kreis und saugen eifrig. Das glaubt mir kein Mensch. Ich bin nicht zum ersten Mal als junge Mutter dankbar, dass mich keiner kennt und sauge einträchtig mit den Fremden am Daumen. Hebamme: „Und genau so soll es sich in eurer Scheide anfühlen.“

Heute weiß ich natürlich nicht mehr, was ich damals daran so lustig fand. Ich habe diesen Kurs sehr gewissenhaft regelmäßig besucht, habe gelernt, was ein Sitzbeinhöcker ist und pflege mittlerweile ein tolles Verhältnis zu meinem Beckenboden.

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  1. Ist schon lustig, wenn man das so liest :-). Ich habe auch erst meinen Rückbildungskurs abgeschlossen. Da wirbelten viele neue Begriffe durch die Luft. Aber die Übungen retteten meinen Beckenboden, der nach der zweiten Geburt ganz schön in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zusätzlich änderte ich mein Stehen, Bücken und Heben im Alltag, um meinen Beckenboden zu schützen. Das alles habe ich im Rückbildungskurs gelernt – nach dem Tanzberger Konzept gemacht – und noch viel mehr über den physiologischen Aufbau des Beckenbodens. Kann das Tanzberger Konzept nur empfehlen! LG

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