Die perfekte Müllabfuhr

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Liebe Berliner Stadtreinigung,

ich möchte mich auf diesem Weg ganz herzlich bedanken. Heute morgen um viertel nach sechs wurden Tim und ich Zeuge der perfekten Müllabholung. Und da sind wir Neuköllner anspruchsvoll, immerhin sind wir bei fünf verschiedenen Müllabfuhren pro Woche (meist noch vor sieben Uhr in der Früh) alte Hasen in puncto Abfallentsorgungsprozedere.

Wer sich mit der Materie noch nicht befasst hat, wird nun gelangweilt die Schultern zucken, was könnte man dabei schon verkehrt machen? Langsam langsam, meine Damen und Herren, wie wäre es zum Beispiel mit dem vorzeitigem Deckel-Schließen der Tonne? Aus rein olfaktorischem Gesichtspunkt sicherlich nachvollziehbar, unseren Einblick aus dem dritten Stock betreffend allerdings ein katastrophaler Schachzug, oder wie sollen wir nun wissen, ob die Mülltonne wirklich leer ist?
Oder schon einmal daran gedacht, wie wichtig die genaue Zirkelarbeit mit dem Mülllaster ist? Nur einen halben Meter zu weit vor oder zurück gefahren, schwupps, lässt sich die schöne Routine von uns aus nur noch erahnen und wird stattdessen von einer reich belaubten Linde verdeckt. Ganz zu Schweigen von dem häufig grimmigen Gesichtsausdruck der Kollegen – so glaubt Tim mir nicht, dass der nette Mensch von der Stadtreinigung es nur gut mit uns meint und unseren Dreck aus reiner Freundlichkeit abtransportiert.

Wie gesagt, heute morgen lief alles perfekt: Schon das leise Surren des Brummis hat uns rechtzeitig vorgewarnt, sodass wir uns früh genug aus den Decken schälen und am Fenster positionieren konnten. Rasch kam das vertraute Rumpeln der Restmüllcontainer näher und kurz darauf betrat der erste, fröhlich pfeifende in grell-orange gekleidete Müllmann unser Blickfeld, eine reich gefüllte Tonne im Schlepptau. Er winkte kurz zu uns hinauf und schon hielt sein freundlicher Kollege mit dem knatternden Müllauto direkt unter unserem Fenster. Detailliert konnten wir verfolgen, wie der Behälter am Heck des LKWs eingehängt und per Knopfdruck in die Höhe gehievt wurde. Mit einer wunderschönen Kippbewegung entleerte sich unser gesamter Restmüll, ich konnte Tim sogar noch auf die Bananenschale vom Vorabend aufmerksam machen, die dann mit ihren Kameraden im Inneren des Lasters verschwand. Schwungvoll ging es abwärts, ein beherzter Griff vonseiten des BSR-Mitarbeiters und husch husch, zurück ins Hinterhofkörbchen.
Nicht ohne uns noch einmal zuzuzwinkern stellte sich der fleißige Geselle nun auf sein Außentrittbrett, hob lässig die Hand zum letzten Gruß und rollte langsam auf seinem blinken Gefährt davon.
Ein Fest.

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