Ich komme zum Gebären

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Meine Fruchtblase ist geplatzt. Naja, was heißt geplatzt, es tropft, also, es tröpfelt. Jedenfalls stehe ich nun, nach kurzer Rücksprache mit meiner Hebamme, vor einer weißen Schiebetür im Krankenhaus. Darauf ein Schild „Zu den Kreißsälen. Bitte klingeln“, daneben ein kleiner Lautsprecher. Bevor man hier Einlass erhält, muss man sich anscheinend überzeugend als echte Gebärende ausweisen. Ich fühle mich mit der Situation überfordert. Kurz überlege ich, einfach zu klingeln, doch der nächste Gedanke lässt meine Hand jäh stoppen. Was sage ich denn dann? Ist das jetzt die Stelle für lautes Stöhnen, für “Entschuldigung, ich glaube, mein Baby kommt“ oder vielleicht „Ich komme zum Gebären“? Keiner der Sätze gefällt mir so recht, irgendwie möchte ich etwas Originelles. Ich meine, „Mein Baby kommt“ ist wohl an diesem Ort nicht unbedingt eine überraschende oder besonders kreative Äußerung. Ich klingele. Irgendetwas wird mir schon einfallen. Es summt. „Ja bitte?“ tönt eine Frauenstimme aus dem Lautsprecher. „Äh, ja, hallo, ich ähm, also, ich bin hier zur Geburt verabredet!“ Habe ich das jetzt gesagt? Die lassen mich doch nie rein, sowas Beklopptes, zur Geburt verabredet… Die Tür öffnet sich lautlos, vor mir liegt ein langer Gang. Eine geschäftige Schwester mit einer glänzenden Nierenschale in der Hand läuft an mir vorbei: „Hier, schau´n Sie mal, Plazenta!“ Ich trete ein, es ist soweit, mein Baby kommt.

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